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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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XCII
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XCII Einleitung. Drittes Kapitel

im Wortauslaut zu. p t k werden und sie weisen meist dabei auf die feinephonetische Beobachtung unserer Vorfahren hin. Es gibt kaum einekrassere schematische Wortorthographie als diese. In Wirklichkeitwerden b, d, g im Wortauslaut zu p, t, k nur wenn sie in der

s Satzpause, am Satzende und vor Verschlußlauten stehen. Wenn alsoauf leip noch ein vokalisch anlautendes Wort folgt und die Hand-schrift schreibt leib, so ist das phonetisch richtiger als die landläufigeSchreibweise der kritischen Texte. Wenn dann weiter leib auch imAuslaut vor Verschlußlauten oder in der Satzpause geschrieben wird,

10 so haben wir es mit einer Wortorthographie zu tun, die eben zeigt,daß ein Schreiber schon in mittelhochdeutscher Zeit mit einem Wort auchein traditionelles oder selbsterworbenes orthographisches Bild ver-band. Ich habe daher alle Fälle, die gegen jenes Gesetz der mittel-hochdeutschen Grammatiken verstoßen, beibehalten, denn es liegt kein

15 Verstoß gegen dieses Gesetz vor, sondern dies Gesetz kann in dem vonden Grammatiken beanspruchten Umfange nicht aufrecht erhalten werden.Soweit Lautlich-Orthographisches. Auch in das Gebiet der Form-lehre spielt Orthographisches hinein. Hier ist ebenfalls unsere Un-sicherheit größer, als gewöhnlich zugestanden wird. Das gilt besonders

20 vom Präteritum der schwachen Verben, denen, leben und habenformierten ihr Präteritum: denete, lobete und habete, daneben standenBildungen wie horte. Das Sprachgefühl bildete sich bald nach ver-schiedenen Richtungen aus. Für die einen war -te, die Endung derschwachen Präteriten, für die anderen -ete, das dann weiter zu -et ab-

25 geschwächt wurde. Durch Analogie wurde -ete auf hören übertragen,wurde horet(e), höret gesprochen; auf analogischem Wege entstandenaber auch teilweise Formen wie lobte. Die einzelnen Mundarten undGegenden verhalten sich hier verschieden, und es läßt sich in denseltensten Fällen für einen mittelhochdeutschen Schriftsteller eine

30 Norm finden. Der Verfasser des oberdeutschen Servatius kannte dieTypen -ote -ete -te. Ob er -ete und -te analogisch schon vermischthat, läßt sich nicht ausmachen. Der Herausgeber ist auch hier häufigauf eine Entscheidung nach Gutdünken angewiesen. Die Formen desPräteritums von freuwen und schouwen lassen sich nicht ermitteln.

3 '> Neben einem älteren scauwon muß es noch ein scauwen < skamangegeben haben. In einem Obermünsterer Salbuch (RA. ObermünsterFase. Nr. 3) kommt regelmäßig die Form beschöwwen vor.