Überlieferungsgeschichtliches und Technisches zu den Texten XCI
jeder Weise überzeugend dargetan hat, daß das sogenannte zweiteBüchlein nicht von Hartmann von Aue herrührt, aber er stützt sichhierbei in der eben besprochenen «-Frage nicht, wie er meint, aufsprachliche Kriterien, sondern auf stilistische. Die Verfasser der beidenBüchlein stehen auf einem verschieden stilistischen Standpunkt und sso ist es bei allen übrigen Dichtern. Diejenigen, die -unne und-iinne im Reime scheiden, stehen auf einem vollkommeneren, demStilideal gerechter werdenden, reimtechnischen Standpunkt, als die,welche -unne : -iinne binden.
Die Frage des w-Umlautes muß noch einmal zusammenhängend auf 10Grund örtlich und zeitlich datierbarer handschriftlicher Denkmäler um-fassend untersucht werden. Neben nutzen steht auch oberdeutsch nützen.Hat liitzel immer Umlaut gehabt? Mir will scheinen, daß die palatisieren-den Wirkungen von i und j bei t(t), k(k), g(g) verschieden gewesenund hieraus die Doppelformen zu erklären sind. Gegenwärtig befinden ibsich die Herausgeber mhd. Texte in einer ganz hilflosen Lage gegen-über solchen Worten, und sie müssen rein willkürlich eine Entschei-dung treffen. Gerade beim «-Umlaut hilft auch die moderne Mund-art häufig nicht weiter, und der mehr und mehr sich sprachlich geltend-machende Schulunterricht verschleiert die alten Verhältnisse immer weiter. 20
Auf dem Gebiete des Konsonantismus weicht meine Ausgabe eben-falls ab von den landläufigen kritischen Texten. Ich habe das für kstehende ch nicht getilgt und durch k ersetzt, denn dieses Verfahrenist in keiner Weise berechtigt und täuscht über die Unsicherheitunserer Erkenntnisse hinweg. Da unsere Handschrift außer im An- 25laut für den auf urgermanisch % zurückgehenden Laut ebenfalls chschreibt läßt sich in bestimmten Fällen gar nicht ausmachen, ob derauf urgermanisches % zurückgehende, der aus gemeingermanischemk hochdeutsch verschobene Laut x °der k gemeint ist. Das obenbesprochene mähte V. 1353 ist ein solcher Fall. V. 2425 rächte : er- 30stachte z. B. kann man mit Haupt % ansetzen, richtiger wird abersein, ch als k zu interpretieren. Zweifellos ist das V. 2838 der Fall.Haupts Ansatz h ist da sicher falsch. Ich habe da, wo etymologischsicheres h (== urgermanisch x) vorliegt, h auch gegen die Handschriftgesetzt. In zweifelhaften Fällen dagegen habe ich ch belassen. 35
Die mittelhochdeutschen Grammatiken führen als eines der Grund-gesetze der mittelhochdeutschen Lautlehre auf, daß die Medien b dg