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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
LXXXIX
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Überlieferungsgeschichtliches und Technisches zu den Texten LXXXIX

den Beweis zu erbringen, daß Veldecke vom oberdeutschen Dichterbenutzt wurde, wichtiger, als nun in Einzelheiten zu zeigen, wo deroberdeutsche Dichter von Veldecke gelernt hat. Unter der Massewären die wirklich beweisenden Stellen nicht deutlich hervorgetreten.Eine fruchtbringende Lektüre des oberdeutschen Servatius wird man 5bloß erreichen, wenn man ihn vergleichend mit Veldecke und denGesta liest. Zu diesem Zweck sind die Verweise auf die Gesta undVeldecke dem Texte beigegeben und dem Leser so alle Bequemlich-keiten geboten, um möglichst tief in das Gedicht eindringen zu können.

An den Stellen, für die das Bruchstück n vorliegt, ist in einer 10zwischen der ersten und zweiten Rubrik angebrachten dritten derText von n vollständig gegeben.

Die auffälligste Veränderung, die gegenüber sonstigen kritischenmittelhochdeutschen Texten vorgenommen worden ist, besteht in derabweichenden Orthographie. Ich habe die der Handschrift beibehalten, anicht etwa nur, weil ich glaube, daß der Servatiusverfasser schon dieneuen Diphthonge sprach, sondern weil die Orthographie der Hand-schrift ebensogut und ebenso schlecht ist, wie die unserer kriti-schen Texte und es im Grunde genommen bei bayerischen undschwäbischen Texten einerlei ist, ob gemeingermanisch 1 und 0 durch 20diese Schriftzeichen oder durch ei und ou wiedergegeben werden.Diphthongisch waren um 1150 die beiden Laute wohl schon in beidenSprachgebieten. Für den neuen /-Diphthongen, der anfangs einmali i gelautet haben wird, standen dem nach phonetischer Orthographiestrebenden Schreiber die Zeichen ei und i zur Verfügung. Schrieb «&er i, dann legte er mehr Wert auf die relativ geschlossene Qualitätder ersten Komponente, schrieb er ei, so betonte er die diphthon-gische Natur des Lautes. Gleiches gilt von u und ou. Es ist keines-wegs ein Beweis, daß der Diphthong iu sich später als 1 und ü zudem neuhochdeutschen eu gewandelt hätte, weil in Handschriften, die soneues ei und ou schreiben, durchweg noch iu erscheint, sondern eswar kein Bedürfnis vorhanden, den zugrunde liegenden Laut durcheine andere Zeichenverbindung wiederzugeben. Seine diphthongischeNatur kam genügend zum Ausdruck. Daß dem wirklich so war,zeigt sich, wenn, wie häufig, für vreude in solchen Handschriften mvriude geschrieben wird. Da die beiden alten Diphthonge ei und ouvon dem neuen ei und ou auch in der Folgezeit verschieden waren,