Überlieferungsgeschichtliches und Technisches zu den Texten LXXXV
auch bei S alle Varianten als Verderbnisse des Textes J. An einerStelle tritt sogar die Abhängigkeit der Handschrift von J deutlich zu-tage. G. 75, 14 sind die Worte una gutta nee in J am Rande vonder gleichen Hand nachgetragen. Beim Einbinden — der heutigeEinband ist jünger und nicht der ursprüngliche — wurde das c von 5nee weggeschnitten. An derselben Stelle liest man in S ne statt nee.Der Schreiber von W konjizierte — die Konjektur lag auf der Hand -oder sah die Stelle noch unversehrt. Auch da wo S und W gegenJ und die übrigen Handschriften stimmen, zeigt sich die örtliche Ab-hängigkeit beider Kodizes von J. G. 75, 6 ist das Schluß-s von 10Aduersus in J einem w sehr ähnlich und die Schreiber von S undW lasen deshalb Aduersum, wobei mitgewirkt haben mag, daßaduersum ihnen geläufiger war als aduersus. G. 122, 12 ist das licvon J, das durch alle übrigen Handschriften als echt erwiesen wird,sehr leicht als fic zu lesen und SW schreiben auch dementsprechend. 15Daß zwischen J und S rein mechanische Beziehungen vorhanden sind,beweist auch das beiden Handschriften am Kopfrande von Bl. lagemeinsame Monogramm. Von welcher Handschrift es mechanischaus der anderen herübergenommen wurde, kann nach dem Gesagtennicht zweifelhaft sein. zo
Der Stammbaum der Gruppe JSW ist daher folgendermaßen an-zusetzen :
S W
Nach J ist der Text zu gestalten, denn J hat vor der Gruppe aABCDGHR viele Vorzüge. Nicht bloß weil ABCDGHR Interpola-tionen aufweisen (vgl. G. 110, 26; 147, 1 f.; 134, 30 f.; 142, 22 f.),sondern, was noch wichtiger ist, weil sich in ABCDGHR die Tendenzgeltend macht, seltene lateinische und griechische Worte zu tilgen oderdurch geläufigere zu ersetzen, vgl. 9, 20; 10, 18; 11, 5; 22, 13; 26, 8 f.; so28,17; 30,4; *33,13; *38, 11; *39,8; 44, 9; *54,13; 58, 3 f.; 58, 18;61, 7; 61, 19; 63, 9 f.; 64, 4; *79, 4; *83, 11; *94, 9; *96, 12; 104,28; *105, 17. In allen Fällen, in denen nun die Bearbeitung T Ent-sprechendes bietet — sie sind in der eben aufgezählten Liste mit einem* versehen —, stimmt sie mit ABCDGHR überein. Daraus, und weil 35T älter sein muß als der Archetypus * ABCDGHR, ergibt sich, daßdiese Tendenz nicht erst der Gruppe ABCDGHR angehört, sondern