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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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LXXIV
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LXXIV Einleitung. Zweites Kapitel

einstmaligem Monophthongen zu beurteilen: die Bindung gebrüdien :louchen 3186 ist meiner Ansicht nach ein Beweis, daß in der Mund-art des Verfassers bereits die neuhochdeutsche Diphthongisierung ein-getreten war (s. Anmerkung zur Stelle) und zugleich ein Indizium

5 für die bayerische Heimat des Dichters. Aber die, die hartnäckigan einem mhd. * gebrou.ch.en festhalten, werden die von mir angesetzteBindung nicht anerkennen. Gegen sie darf jedoch nicht ins Feld ge-führt werden, daß 1428 Seuerinus : hus und 1920 Agricolaus : susgereimt wird. Über die Qualität und den Akzent der in diesen Bin-

io düngen verwandten «-Laute läßt sich aus dem Reim nichts schließen.Die lateinische Flexionsendung -us wurde doppelt gebraucht; baldlang, bald kurz, je nachdem man sie nötig hatte. Die entsprechendenheimatlichen Laute wurden ihr untergeschoben. Man sprach: Seue-rinMS : süs und man sprach Seuerimls : hüs bezüglich Severinows :

ift hous. Es gehört das zu derselben Erscheinung, die Analecta Ger-manica S. 121 f. besprochen worden ist. Wenn man will, kann manaber die Bindungen auch für literarische, unter dem Einfluß Veldeckesstehende Reime erklären (s. C. v. Kraus, Heinr. v. Veldecke und diemhd. Dichtersprache § 39), und jedermann wird diese Erklärung nach

20 Lage der Dinge für einwandfrei und möglich ansehen müssen, einer-lei, ob er sie glaubt oder nicht.

Wenn sonst im Gedicht u und a, ü und ou säuberlich geschiedensind, so kann daraus weder zugunsten Bayerns noch zugunstenSchwabens ein Schluß gezogen werden. Alles ist in bester Ordnung;

25 denn die drei Laute sind, obwohl ü diphthongisiert wurde, nochheute im Bayerischen und Schwäbischen verschieden. Die Tatsachebeweist nur, daß der Verfasser in diesem Punkt empfindlich war.

Ähnlich ist es bei der Reihe i l (ei) ei (cei). Ein Reim% : ei fehlt, nur % : l wird gebunden. Bloß bei -lieh geht es durch-

30 einander. Ursprünglich war es wohl überall so, daß -lieh das I bei-behielt, wenn ein starker Nebenton auf die Silbe fiel, sonst aber tratVerkürzung ein. gekch hat also seine Länge beibehalten 292, 2582(V 2932 gehört nicht hierher) und ebenso die -liehe in V. 842 (dieHandschrift beidemal ei), 1234 (Hs. i : ei) "und 2002 (Hs. i : ei).

35 Das System ist aber infolge Ausgleichung durchbrochen, indemV. 2794 -liehe auf geswiche reimt und 2540 -Pich : nch (Hs. / ; ei).Zur Lokalisierung eines mhd. Gedichtes können die -lich-Formen nicht