LXX Einleitung. Zweites Kapitel
hungert. Er hatte selbst wohl die Weihe Alberts von Freising mit er-lebt und auch sonst wahrscheinlich dem Bischof nahegestanden. SeineSchilderung von Servazens Ornat erinnert so auffällig an das FreisingerBischofsgewand (vgl. unten 175, 15), daß hier ein rein zufälliges Zu-5 sammentreffen wohl als ausgeschlossen gelten darf. Der Dichter warallem Anschein nach selbst einmal Ritter gewesen. Er hatte aberdie Zeit nicht bloß mit turnceien unde mit weihen (V. 3332) verbracht,sondern selbst im Ernst die Brünnen blinken, die Schwerter blitzensehen. Die Schilderung von der Sarazenenschlacht unter Karl dem
io Großen 2001 f. steht gewiß unter dem Einfluß des Rolandsliedes vomPfaffen Konrad; für das Hörn, welches die Christen V. 2086 zumAngriff ruft, hat gewiß Rolands Olifant Modell gestanden, aber dieganze Darstellung des Kampfes verrät doch so viel von eigener An-schauung, daß wir nicht um die Annahme herumkommen: der Dichter
15 hat selbst Schlachten schlagen sehen und selbst erlebt, daz si bandendie wunden (Vgl. 2073). An Schönheit und Lebendigkeit übertrifftseine Kampfesschilderung alle ähnlichen bis dahin gedichtetenSchlachtenszenen. Nach V. 1938 f. scheint es, als sei der Dichter selbstin Maastriecht gewesen. Es ist ja sogar nicht ausgeschlossen, daß
20 er Veldecke persönlich gekannt hat. Wir mögen es jedenfalls wendenwie wir wollen, die Herzogin Agnes wird immer das erklärende Binde-glied bleiben, um den merkwürdigen literarischen Austausch zwischenden Diözesen Freising und Lüttich, zwischen Indersdorf und Maas-triecht verständlich zu machen. Ja es ist sogar sehr wahrscheinlich,
25 daß die Herzogin dafür gesorgt hat, daß die Gesta und VeldeckesGedicht in die Hände des oberdeutschen Verfassers gelangten. Denndie Handschrift J der Gesta ist kaum in Indersdorf geschrieben,sondern aus den Niederlanden importiert worden. Möglicherweisefindet sich in anderen niederländischen Kodizes noch dasselbe vor-
30 läufig nicht sicher deutbare Monogramm. Vielleicht ist die Handschrifteigens für Indersdorf auf Bestellung geschrieben worden. Denn es mußauffällig bleiben, daß gerade in dem Indersdorfer Exemplar (und in-folgedessen auch in S und W) der politisch pointierte Schluß, Kapitel 66und 67, fehlt. An mehreren Stellen dieses Buches ist darauf hin-
35 gewiesen worden, daß in dem Archetypus der Gesamtüberlieferung,aus dem J floß, Kapitel 66 und 67 mutmaßlich gleich auf 54 folgten,daß wahrscheinlich alles Dazwischenliegende aus der Bearbeitung T