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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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LXIX
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Die deutschen Servatiusgedichte des zwölften Jahrhunderts LXIX

Mag Barbarossa zeitweilig auch über das Verhalten der Witteisbacherin den letzten Jahren, besonders aber über das von Konrad vonMainz, aufgebracht gewesen sein, der Frieden von Venedig hat dasalles vergessen lassen. Denn als Konrad auf den Mainzer Stuhl umdes Friedens willen verzichtete, zeigte er, daß er im Interesse einer 5Verständigung zwischen Kaiser und Papst Persönliches hintanstellte.Das Erzbistum Salzburg war sein Lohn. Als dann drei Jahre spätersein Bruder Otto den bayerischen Herzogthron bestieg, vollzog sichdas seltene Faktum, daß die weltliche Herrschaft über einen Länder-komplex und die für diesen zuständige Metropolitangewalt in der 10Hand ein und derselben Familie lag.

In alle diese Zeitereignisse paßt die Stimmung des oberdeutschenServatius wie der Schlüssel zum Schloß; sie paßt aber auch in kein Klosterso sehr wie nach Indersdorf, das nach Friedrichs Eintritt in so engeBeziehungen zur Politik und durch die Schwägerschaft mit der Gräfin 15Agnes in so nahe zur Servatiusverehrung trat. In Augsburg dagegenwar für sie damals noch ein wenig günstiger Boden. Bischof Hart-wig I. war ein ausgesprochener Gegner Alexanders III. (vgl. JaffeReg. Pont. 12322 f.; 12756; Plac. Braun, Geschichte der Bischöfe vonAugsburg 2, 150 f.) und stand Friedrich I. bis an sein Lebensende 20nahe. Unter Bischof Udalscalk, der sich mit Urban III. ebenso wiemit Friedrich I. gut gestanden zu haben scheint (vgl. Braun t. c. 157 f.),erwartet man in Augsburg am allerwenigsten ein starkes Interesse fürden hl. Servatius. Denn seit 1183 bis 1187 war hier die Verehrungdes hl. Ulrich wegen des Aufbaues der 1183 abgebrannten St. Ulrichs- 25kirche besonders in den Vordergrund getreten. Friedrich I. selbstbetrieb eifrig die Einweihung des Neubaues, in dessen Brüderschafter schon seit Jahren aufgenommen war (W. v. Giesebrecht, Geschichteder deutschen Kaiserzeit 6, 159). Ein Gedicht auf den hl. Ulrichhätte also hier viel näher gelegen als auf den niederländischen Patron, so

Wir wissen vom Verfasser des oberdeutschen Servatius sonst fastnichts. Seinen Namen wird der fehlende Schluß seines Gedichtesenthalten haben. Vielleicht ist uns damit eines der wichtigsten Doku-mente für die altdeutsche Literaturgeschichte verloren gegangen. Daßgerade die Blätter der Handschrift ausgeschnitten wurden, die eine 35starke persönliche Auslassung vermuten lassen, ist vielleicht nicht Zu-fall. Der Verfasser hatte offenbar sehr hohe und vornehme Bezie-