LXVIII Einleitung. Zweites Kapitel
Bischofs Otto innehatte, ist er bestrebt gewesen, soviel an ihm lag,seine Diözese von den politischen Kämpfen, die um sie herumtobten,zu bewahren. Man hat ihn mit dem klugen Hillin von Trier ver-glichen und ihm eine zweideutige Politik vorgeworfen. Aber Albert5 war nicht Metropolit wie Hillin und gerade in der Salzburger Kirchen-provinz lagen die Verhältnisse am schwierigsten im ganzen Reich.Ein Bischof von Freising hatte es da nicht leicht. Aber auch in dermächtigsten Familie der Diözese, bei den Witteisbachern, hatte sichseit längerer Zeit eine versöhnlichere, nach Vermitteln strebende Ten-
10 denz geltend gemacht. Der Urheber war wohl des späteren HerzogsOtto Bruder, Konrad von Witteisbach, Erzbischof von Mainz. Erwar schon in der Nacht vor der entscheidenden Sitzung des Würz-burger Reichstags von 1165 aus der Stadt des hl. Kilian entwichen,um sich der Stimme gegen Alexander III. zu enthalten (A. Hauck, Kirchen-
i5 geschichte Deutschlands 4, 265). Er hatte seitdem immer mehr ge-zeigt, daß er mit dem Gang der Reichspolitik nicht einverstanden sei.Allmählich wird er auch bei seinen Brüdern einen seiner Auffassunggeneigteren Boden gefunden haben. Es war gewiß ein bedeutsamerSchritt, als Pfalzgraf Friedrich als Chorherr in Indersdorf eintrat. Wir
20 wissen nicht, was ihn dazu veranlaßte: amore Dei compunctas sagtder Chronist. Doch wenn es bloß das gewesen wäre, so hätte Fried-rich auch bei den Benediktinern in Scheyern eintreten können. Wenner aber als der Bruder eines der treuesten Anhänger Friedrichs I. ineinem Augenblick, wo dieser vor dem Ausbruch eines neuen und
25 heftigen Konfliktes mit Alexander III. stand, in einen Orden trat, derals der Orden der Kurie galt, in ein Kloster ging, das gerade vorfünfzig Jahren sein Vater als Satisfaktio für die Lösung von der Ex-kommunikation gegründet hatte, so entbehrt dies unter keinen Um-ständen eines politischen Beigeschmacks. Es war ein Signal: bis
30 hierher und nicht weiter! Es sind Anzeichen vorhanden, daß seit 1174auch Graf Otto das schroffe Vorgehen des Kaisers gegen die Kirchenicht hat billigen können, daß er daraus, wie scheint, hat Unheilkommen sehen. Er blieb dem Kaiser treu, aber aktiv hervorgetretenist er während des Konfliktes nicht. Er hielt sich zurück und er hat
35 eine weise Rolle gespielt. Denn ohne sich etwas zu vergeben hater mit seinem Bruder Konrad nach dem fürchterlichen Tag von Legnanosich an der Vermittlung zwischen Kaiser und Papst beteiligen können.