Die deutschen Servatiusgedichle des zwölften Jahrhunderts LXV
Das folgende Buch, welches das Indersdorfer Verzeichnis erwähnt,ist ein Über sententiamm. Leider fehlt eine Initienangabe, sonstließe sich feststellen, ob etwa die Sentenzen Hugos gemeint sind.Victorinischer Einfluß war jedenfalls schon sehr früh in Indersdorfvorhanden. 5
Daß der oberdeutsche Servatius auch sonst zu den Augustiner-chorherren in Beziehung steht, beweist Albers Tnugdalus. Er ist aufBitten eines Bruder Konrad von Winneberg, d. h. Windberg, also einesregulierten Chorherren entstanden. Gerade in Windberg interessierteman sich sehr für die Visio Tnugdali, und es ist uns wahrscheinlich 10sogar die Handschrift, welche Alber davon für sein deutsches Ge-dicht benutzte, erhalten.* Abt Gebhart von Windberg, dessen Periodvon 1142 bis 1191 lief, ließ den Clm. 22254 schreiben, welcherBl. 117a f. die Visio Tnugdali enthält. Bl. 2b gibt Nachricht über dieEntstehung der Handschrift: 15
Huius patrator operis uirtutis atnatorExtat Gebhardus abbas digne uenerandusQuod tibi uirgo pia celi regina MARIAObsecro cerne datum preeibus laxando reatum
Sis memor atque t^\ ■ scriptoris ualde nou\ ... 20
Cordis iniqua s / purgent ut scripta Hb /
Gebhards Nachfolger in der Abtwürde war Konrad, der bereits um1203 tot war (vgl. Ferd. Janner, Geschichte der Bischöfe von Regens-burg 2, 81). Da man aber, als Gebhard starb, in Windberg schwer-lich zwei Confratres mit dem Namen Konrad gehabt haben wird, so ist sses am natürlichsten anzunehmen, daß der Konrad, auf dessen BittenAlber schrieb, der spätere Abt war. Das paßt zu den Datierungen,die bis jetzt für das Gedicht gegeben wurden. Alber dichtete vor1191. In seinem Werk finden sich Stellen, welche in Reim und In-halt so sehr zum oberdeutschen Servatius stimmen, daß wir annehmen 30müssen, einer der beiden Dichter habe die Arbeit des anderen ge-kannt. Ich lasse die Frage, wer von beiden der ältere ist, offen. Dazubedarf es einer gründlichen und umfassenden nochmaligen Ver-gleichung Albers mit der Quelle. Nur folgende Stellen seien an-geführt: 35
* Die Handschrift wird merkwürdigerweise bei A. Wagner, Viso Tnugdali, Er-langen 1882 nicht erwähnt.
Wilhelm, S. Servatius V