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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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LXIII
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Die deutschen Servatiusgedichte des zwölften Jahrhunderts LXIII

über die Maßen ist. Es steht demnach fest, daß wir Veldeckes Gedichtganz in der ursprünglichen Gestalt nicht vor uns haben, daß vielmehreine grobe Schreiberhand daran herumgearbeitet hat. Glücklicherweisekönnen wir aber durch die von W. Meyer a. a. O. und B. SchulzeZfdA. 34, 218 f. veröffentlichten Fragmente aus dem zwölften Jahr- 5hundert feststellen, daß ihre Änderungen doch recht äußerliche, leichtauffindbare sind. Zur Zeit des oberdeutschen Dichters lief in Bayernsicher ein besserer, lückenloserer Text von Veldeckes Werk um. 'Wirbrauchen nicht bloß aus dem oberdeutschen Servatius und aus demEhrenbriefe Püterichs von Reichertshausen zu schließen, daß in Süd- 10deutschland die Dichtung des Niederländers zirkulierte. Auch dieBearbeitung C des Nibelungenliedes ist ein Beweis dafür. Die Ge-schichte von der Apostasie Etzels ist Veldecke entlehnt. Die Erzäh-lung von Attilas Bekehrung ist Lokalsage von Troyes, ist ein kirch-liches Zeugnis, aber nicht Volkssage. Über die Servatiuslegende mit 15Veldeckes vermittelnder Kombination kam diese französische Über-lieferung von Attilas Christentum in die höfischste Bearbeitung unseresNationalepos.

Die Annahme, daß VV. 32713376 auf Veldecke beruhen, erklärteine Menge Dinge, die uns sonst rätselhaft bleiben würden. Schon 20W. Meyer hat auf die starken Abweichungen gerade dieser beidenMirakel vom lateinischen Text aufmerksam gemacht. Die VV. 3271bis 3320 entsprechen nur ganz äußerlich dem Inhalt von Kapitel 55und müssen doch auf dieses zurückgehen. Die Annahme, daß derBericht des oberdeutschen Verfassers über die Nacherzählung des 25Kapitels 55 durch einen anderen, in unserem Fall Veldecke, ge-gangen ist, erklärt diese Tatsache vollkommen. Für die VV. 3321bis 3376 steht die Benutzung Veldeckes so wie so außer Zweifel.Die Abweichungen von ihm beruhen auf den anderen dogmatischenAnschauungen des oberdeutschen Verfassers und der Tendenz seines 30Werkes, auf die gleich eingegangen werden wird. Wir erhalten jetztaber auch eine Erklärung, weshalb der oberdeutsche Verfasser mitdem Inhalt von Kapitel 54 schloß. Seine lateinische Vorlage J(SW)bot dieses Ende. Es war ein sehr wirkungsvoller Abschluß, den sichder Verfasser mit Recht nicht entgehen ließ. Die beiden Wunder, die 35Veldecke mehr bot und von denen das zweite für ihn prinzipiell wichtigwar, stellte er so vor das Schlußwunder seiner lateinischen Quelle.