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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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LXII
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LXII Einleitung. Zweites Kapitel

daß die Reihenfolge der Wunder in diesem Hypothetikon dieselbewie im oberdeutschen Servatius war, dann muß man wieder fragen,warum strich der Schreiber von J, der sonst ganze Wunder nach-weislich nie tilgte, gerade diese Wunder und stellt so die normale

5 Reihenfolge 53 auf 54 wieder her? Kurz und gut: eine zwischendem Archetypus der Gesamtüberlieferung und J liegende Textgestaltist in jeder Hinsicht unwahrscheinlich.

Entschieden plausibler ist die Annahme, daß die Bearbeitung Tbenutzt worden sei. Doch vor dem fünfzehnten Jahrhundert ist T

io in Bayern nicht nachweisbar und wahrscheinlich in ganz Oberdeutsch-land nicht. Der Clm. 23422 stammt aus Aschaffenburg. Das DießenerFragment d scheidet von vornherein in dieser Frage aus, denn esist offenbar auf rein liturgischem Weg nach Dießen gekommen. Auf-fällig wäre bei dieser Annahme aber, daß im oberdeutschen Text sich

is nirgends sonst Spuren einer Benutzung von T finden, wie etwa beiVeldecke, und dann fragt man wiederum, weshalb änderte der Ober-deutsche die Reihenfolge der Mirakel und schließt mit Kapitel 54wie J? Man stößt also auf die gleichen Schwierigkeiten, wie bei derKonstellation Nr. 1.

20 So bleibt denn die Annahme am wahrscheinlichsten, daß die inVV. 3271 bis 3376 erzählten Wunder aus Veldecke entlehnt sind unddaß in der uns erhaltenen Handschrift des limburgischen Servatiusdas dem Kapitel 55 der Gesta entsprechende Mirakel an der nor-malen Stelle um II 2585 f. herum gestrichen wurde. Schon W. Braune

25 und O. Behaghel haben deutlich gezeigt, daß Veldeckes Servatius, sowie er vorliegt, überarbeitet ist. Darin hat sich ihnen auch Krausangeschlossen. In welcher Richtung sich die Bearbeitung bewegte,konnte oben S. LH 6 f. aus der Erörterung über die Echtheit des Napf-wunders entnommen werden. Die Weise des Bearbeiters wird klar

so noch durch folgenden Fall beleuchtet. Vd. II 2516 und 2576 ist dasseptem der Gesta, die Zahl der dem brabantischen Ritter als induciaebewilligten Jahre, in sevenhondred geändert. Daß aber Veldecke anbeiden Stellen seven und nicht sevenhondred geschrieben hatte, be-zeugt nicht bloß die Versmelodie, sondern vor allem Veldeckes nüch-

35 terner, übertriebenen Wundern abholder Sinn. Der Mann, welcherdie Sage von der maritimen Lage Tongerns, für boven maten er-klärte, wird nicht so etwas geschrieben haben, was noch weit mehr