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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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LXI
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Die deutschen Servatiusgedichte des zwölften Jahrhunderts LXI

Menge anderer Reliquien eine De corpore sancti Servatii episcopiet confessoris nachweisbar.* Die summarische Art und Weise, wiediese mit den übrigen abgetan wird, läßt eine besondere Verehrungnicht vermuten und schließt einen Zusammenhang mit W aus. EinServatiusaltar ist in Tegernsee nicht nachzuweisen. Es fehlen auch 5für Tegernsee wie für Schäftlarn die wichtigen persönlichen Be-ziehungen, von denen vorhin gesprochen wurde. Wir werden unsalso an J halten müssen. Das Handschriftenverhältnis spricht ja auchfür J.

Aber da ergibt sich zunächst eine Schwierigkeit, auf die schon 10W. Meyer a. a. O. S. 156 f. hingewiesen hat. Zwischen die J (SW)abschließenden Kapitel 53 und 54 schiebt der oberdeutsche Dichterden Inhalt der in J(SW) fehlenden Kapitel 55, 56 und 57 ein. Ver-deckes Text bietet den Inhalt von Kapitel 55 nicht, bringt dagegendie Inhalte von Kapitel 54 und 56/57 in der allen Handschriften der »niederländischen Gruppe gemeinsamen Reihenfolge. Wie ist das zuerklären? Theoretisch gibt es natürlich drei Möglichkeiten: 1. DerVerfasser benutzte ein der Handschrift J voraufgehendes Glied, dasdie Kapitel 55 bis 57 noch enthielt, aber schon eine Vorstufe zurbayerischen Gruppe bildete, 2. er zog die Bearbeitung T nebenbei 20zu Rate oder 3. er entlehnte diese beiden Wunder aus Veldecke,und wir müssen in dem gegenwärtigen Text Veldeckes eine Lückekonstatieren.

Gegen eine vor J liegende Textstufe läßt sich nichts einwenden.Die ganze Überlieferung der Gesta, soweit sie bis jetzt bekannt ist, 25weist auf ein solches Glied hin. Aber dieses Glied liegt vor demArchetypus der Gesamtüberlieferung, nicht zwischen diesem und J.Für ein zwischen diesem Archetypus und J liegendes Glied fehltjeder Anhalt und jede Wahrscheinlichkeit. Seine Aufstellung wäreeine Constructio ad hoc. Nimmt man an, daß in diesem Hypotheti- 30kon die Kapitel 55 bis 57 normal auf 54 folgten, dann fragt man,warum strich J diese Wunder, und warum stellte der oberdeutscheVerfasser die Inhalte von Kapitel 55 bis 57 vor 54 und erzielte soeinen mit J vollkommen gleichen Abschluß? Nimmt man aber an,

* Sonst kenne ich noch folgende Erwähnungen von Servatiusreliquien in Bayern: 35Prüfening 1282 (MG. SS. XV 1078, 7), Regensburg St. Oswald XIV. s. (MG. SS. XV1097, 30) und Ranshofen XIV-XVI s. (MG. XV 1108, 37).