LX Einleitung. Zweites Kapitel
Veldecke benutzt hat, jenes Werk, das auf Veranlassung der Mutterunserer Herzogin Agnes geschrieben ist, dann wird man wohl schließenmüssen, daß Indersdorf jener Ort Freisinger Diözese ist, an dem deroberdeutsche Servatius entstand, und daß Agnes von Witteisbach oder
5 ihre nächste, mit den Niederlanden in steter Fühlung stehende Um-gebung, nicht ohne Einfluß darauf gewesen ist.
Wir müssen uns zunächst der Quellenfrage zuwenden, ehe wir inunseren Betrachtungen weiterschreiten können. W. Meyer hat inseinem Aufsatz ZfdA. 27, 146 f. die Gesta als Quelle des oberdeutschen
io Gedichtes nachgewiesen. Mein Kommentar erweist die BenutzungVeldeckes. Ein Wort weiter darüber zu verlieren ist unnötig. Eskann sich nur noch darum handeln, festzustellen, welche Handschriften-gruppe der Gesta vom oberdeutschen Dichter benutzt wurde. Daßes die bayerische ist, wird man ohne weiteres vermuten: es wird er-
15 wiesen durch VV. 1859, 2166, 2203 des Gedichtes und, wie sich zeigenwird, durch den mit JSW übereinstimmenden Schluß. Bei den ge-ringen Abweichungen der bayerischen Handschriften untereinanderläßt sich auf Grund der Lesarten nicht ausmachen, welche von dendreien dem Dichter vorgelegen hat. Aber für S und W sprechen
20 keine Gründe, sondern allerhand dagegen. Wir wollen dabei ganzdavon absehen, daß die auf Grund der Schriftzüge gegebene Datie-rung, nach der beide Kodizes noch dem XII. s. angehören sollen,keineswegs sicher ist. Gegen die Schäftlarer Handschrift S — undwir haben keinen Anhalt zu bezweifeln, daß sie von Anfang an dem
25 Kloster des hl. Dionys angehörte — spricht alles. In Schäftlarn istder oberdeutsche Servatius sicher nicht gedichtet worden. Das Klosterstand in keinen Beziehungen zum hl. Servatius. Außer einem erstaus dem fünfzehnten Jahrhundert stammenden Kalendar (Clm. 17296)erwähnt ihn kein Schäftlarer Kalendar. Ein Servatiusaltar oder Ser-
30 vatiusreliquien sind dort nicht nachweisbar. Gegen W würde dieLücke G. 127, 22 sprechen, wenn nicht möglich wäre, daß der Dichternach Veldecke ergänzt haben könnte. Aber an dem mutmaßlichenHerkunftsort der Handschrift, Tegernsee, ist außer den dort befind-lichen Freisinger Diözesankalendaren, denen eine erdrückende Menge
35 von Kaiendaren, die den Heiligen überhaupt nicht erwähnen, gegen-über steht, nur noch im indiculus reliquiarum ab Aribone abbate(t 1119) acquisitarum (MG. SS. XV 1067, 33) unter einer großen