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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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XXXIV
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XXXIV Einleitung. Zweites Kapitel

Auf politische Tendenz weist auch der breite und absichtlicheExkurs bei Veldecke über die Aposteleigenschaften des hl. Servatius,die in den Quellen so ausführlich und pointiert nicht behandeltwerden. Aus dem langen Passus I 641730 hebe ich besonders

5 folgende Stellen hervor: 689 got van himelrike dede dar beskeide-like sente Servas grot ere, dat wir nie envernamen mere, dan vanden apostelen hie bevoren, die he sich selve hade vercoren, onsehere Jesus Cristus und 713 he (Gott) 's wale geweldich was, dathe den goeden sente Servas dede die selve genade, dat he was sin

io gerechte bode, die wile dat der goede man dat messegewade hadean ende godes worde dar sprak, dat hem des niet engebrak, si en-vernamen't alle gemeine, beide grot ende kleine, die lade, die helerde. (G. 15, 7 f.; 29, 5 f.)

Kurz und gut: es kann keinem Zweifel unterliegen, Veldecke hat

15 an mehreren Stellen seines Servatius Spitzen gegen die päpstlicheSchlüsselgewalt und somit gegen den Primat des apostolischen Stuhlesselbst angebracht. Er wird durch die Zeitläufte und die Verhältnisseder politischen Partei, der er angehörte, dazu veranlaßt worden sein.Wir müssen darauf näher eingehen.

20 Seit den Tagen Gregors VII. hatten die wissenschaftlichen Ausein-andersetzungen über die priesterliche Schlüsselgewalt nicht geruht. Manerörterte ihr Wesen; man stritt, ob die Päpste berechtigt seien das demApostel Petrus verliehene Amt der Schlüssel auszuüben oder nicht, manschrieb über den Umfang dieses Amtes und die Kompetenzen der es aus-

25 übenden priesterlichen Instanzen. Der politische Charakter des Amtes,wie es die Päpste für sich in Anspruch nahmen und zur Geltung zubringen suchten, war seit 1076 nicht mehr zu leugnen. Aber während da-mals die mächtigen Wirkungen der Schlüsselgewalt sich an Königen, her-vorragenden Reichsfürsten und einflußreichen Reichsbeamten zeigten,

so bereitete sich seit Anfang des zwölften Jahrhunderts eine Tendenz vonnoch höherer politischer Tragweite vor, welche nicht nur die Höchstenim Staate, sondern seinem subjektiven Empfinden nach noch mehrden gemeinen Mann traf. Es war das Streben für jedes Glied derKirche die Beichte, die confessio, als Pönitenten vor dem Priester

35 obligatorisch zu machen. Bei den großen Umwälzungen, welche sichdamals in der abendländischen Theologie vollzogen, traten die Er-örterungen über die Schlüsselgewalt und die Art und Weise, wie der