Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts XXIX
angeordneten Festlichkeit (vgl. G. 102,10 f.) consecratus per virumapostolicum magnum Leonem, tocius regni et voto in regem sei(Jo. 110, 8 f.). Die Geschichte ist ein hübsches Gegenstückchen zumSchlüsselwunder der Gesta. Sie zeigt deutlich die kirchliche Ge-sinnung des Jocundus. Charakteristisch dafür ist auch, daß er in 5seiner Vita die Euchariuslegende nur flüchtig (vgl. Jo. 92, 9 f.) be-rührt, wie er überhaupt im Verschweigen der ihm nicht passend undBetonen der ihm nützlich erscheinenden Punkte Meister ist.
Mit der Tendenz und dem Streben des Jocundus mehr als dieGesta zu bieten, hängt noch eine andere absichtliche Eigentümlich- iokeit seines Werkes zusammen. Wenn man es der Form nach charakte-risieren sollte, so wird man am besten einen Ausdruck der antikenLiteraturgeschichte anwenden und sagen, es trägt hypomnematischesGepräge. Der hypomnematische Stil war in der Antike schon vonden Publizisten gerne geübt. Er hinterließ beim Leser den Eindruck ades Unmittelbaren; es schien als habe der Verfasser seine Gedanken, wiesie ihm kamen, niedergeschrieben. Man konnte so den Leser leichtergegen oder für etwas einnehmen. Auch bei Jocundus zeigt sichdieses Streben. Seinem Werke mangelt scheinbar jeder Plan. Wirrgeht alles durcheinander. Die feine, historisch und inhaltlich scharf- 20sinnig aufgestellte Disposition der Gesta in dem die Wunder be-handelnden Teil ist jäh und geschmacklos durchbrochen. In derei gentlichen Vita ist es ebenso. Aber nur so bot sich Gelegenheitallerhand Abweichungen anzubringen, die für des Verfassers Zweckwichtig sind. In den Gesta wird der Effrataprozeß auf der Kölner 25Synode so erzählt, als habe Servatius den Vorsitz geführt, als habeer den hl. Severin eingesetzt. Jocundus kommt an der den Gestae ntsprechenden Stelle nur kurz auf diese Synode zu sprechen, aberer publiziert kurz vor der Translatio das angebliche Abstimmungs-Protokoll (Anhang Nr. II 3 folgend auf den S. 277 Anm. zitierten soPassus) und zeigt so, daß die Sentenz des hl. Servatius eine vonden vielen war, aber nicht mehr oder weniger hervorragend alsdie andern. Über die Verwandtschaft des Servatius mit der heiligenFamilie, die der Verfasser schon im Prolog (Jo. 88, 26 f.) behandelthat, schiebt er an einer andern Stelle seiner Vita einen theologisch 35Un d sprachwissenschaftlich gelehrten, kuriosen Exkurs ein, von demm an nicht weiß, ob er ernst oder ironisch gemeint ist.