XXVIII Einleitung. Erstes Kapitel
des Jocundus gehört also möglicherweise erst in das dreizehnteJahrhundert. Wenn es vor Veldeckes Servatius erschienen wäre, dannwäre übrigens merkwürdig, daß in einer solchen Tendenzschrift wieVeldeckes Gedicht, die die Polemik nicht scheut, Jocundus nicht ab-gefertigt wurde. In Maastriecht saß man doch an der Quelle undwußte man, was man wollte!
Während wir aus T die Gründe nicht mehr herausfinden konnten,weshalb die Kompilation vorgenommen wurde, so ist der Anlaß, denJocundus nahm, klar. Er schrieb, um die Schlüsselübergabe Petri
10 an Servatius zu tilgen. Das im Anhang Nr. II 1 mitgeteilte Stückzeigt deutlich, wie Jocundus umgearbeitet hat. Es steckt in denWorten, mit denen er den Maastriechter fratres, in deren „Auftrag" erschreibt, zeigt, daß ihr Schutzpatron trotz seiner Gebete nichts er-reicht hat, eine diabolische Freude. Der Schutzpatron geht leer aus.
15 Er erhält das Versprechen, daß er in den Himmel kommt, währendseine Gemeinde untergehen wird. Den Himmelsschlüssel erhält ernicht. Von ihm ist in der ganzen Arbeit des Jocundus nur einmal(Jo. 94, 34) flüchtig die Rede. Seine Tendenz ist also klar.
Als Greifeid das Verhältnis von Jocundus zu den Gesta unter-
20 suchte, fiel ihm auf, daß Jocundus mehr biete als die Gesta, und erkam deshalb zur Ansicht, die Gesta hätten den Jocundus benutzt.Aber dieses Mehrbieten war eine Absicht des Jocundus. Er wollteden Anschein erwecken, als wisse er mehr als der Verfasser der Gesta.Aus keinem anderen Grund ist ihm der martir glorlosus pontifex
25 Adelbertus entschlüpft. Was er über den Tod Wilhelms von Utrechtmehr weiß (siehe G. 118,9), ist böswillige Fabel, die an die eben-falls Wilhelm nicht wohlgesinnte Stelle der Gesta anknüpft. Die Ab-weichungen in dem dem Kapitel 44 der Gesta entsprechenden Passusscheinen auf einem Nichtverstehen der Gesta zu beruhen. Was
so Jocundus über den Abfall Giselberts von Lothringen mehr berichtet,knüpft lediglich an den ungeschichtlichen Bericht der Gesta in Kapitel 47an und macht ihn noch fabelhafter. Wenn Jocundus in der Erzäh-lung von der Anwesenheit Heinrichs III. in Maastriecht (vgl. G. 103,1 f.)von einer Königskrönung in St. Servais berichtet, die unter Assistenz
35 von burgundischen und italienischen Bischöfen vorgenommen wordensei, so hat niemand diese Fabel ernst genommen. Noch wenigerglaubhaft ist aber, daß Heinrich IV. gelegentlich der von seinem Vater