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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
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XXX
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XXX Einleitung. Erstes Kapitel

Mit dem hypomnematischen Charakter des Werkes hängt eng zu-sammen, daß Jocundus so tut, als erdrücke ihn die Fülle des Stoffes.Daher die häufigen Anfänge und Anreden, wie Revertamur Herumnunc, dilectissimi, ad . . . Servatium Jo. 93, 2 f. Audite, karissimi,

5 et hoc quod circa idem fere tempus Jo. 103, 15. Eadem, karissimi,in possessione factum est Jo. 104, 12. Quod quibusdam ex vobis,carissimi, narrantibus audivimus, revera et agnovimus, huic opus-culo nunc inserere . . . necessarium duximus Jo. 107, 22. Adest nunc,dilectissimi, tempus quod supra promisimus Jo. 111, 56. Veniendum

jo est nunc, dilectissimi, ad . . . Jo. 113, 38 und ähnliches. Überallsucht er dabei durch eine geschwätzige Fülle zu wirken, mit der erzugleich die Inhaltsleere des Vorgetragenen zu verdecken strebt. Be-sonders raffiniert ist das Additamentum angebracht. Es steht nachder Apologie des Verfassers, sieht also wirklich wie ein späterer Zu-

15 satz aus. Der ahnungslos an die Schrift des Jocundus herantretendeLeser mußte schließen, daß dem Verfasser der Gesta das Additamen-tum des Jocundus schon vorgelegen habe, während zur Zeit alsJocundus seine Apologie schrieb, die im Additamentum erzähltenVorgänge ihm noch nicht bekannt gewesen zu sein schienen. Daß

20 das Additamentum nicht von Jocundus herrühre, darf als ausgeschlossengelten: Stil und Tendenz desselben verraten in jeder Hinsicht seinePerson. Aber ein Rätsel wird es vorläufig bleiben, vielleicht auchimmer. Die darin behandelte Geschichte hat offenbar noch im drei-zehnten Jahrhundert zu Rechtsstreitigkeiten geführt. Vielleicht gibt

25 darüber einmal noch lokalgeschichtliche Forschung Aufschluß.

Auch Jocundus selbst wird uns eine nebelhafte Persönlichkeitbleiben. Sein Name ist sehr vielsagend, aber kaum der wirkliche.Man hat ihn für einen Franzosen gehalten. Vielleicht mit Recht.Er ist ein pfiffiger und geschwätziger, aber doch immer liebenswürdiger

30 Windbeutel, der vom Augenblick und für den Augenblick lebt. Erredet von allen Personen nur in den wohlwollendsten Superlativenund findet das, was ihm nicht behagt, mit einem wohlwollend-be-dauernden Ton schrecklich und entsetzlich, vergißt aber ebenso schnell,was er gesagt hat. Ich habe das Gefühl, wir Philologen werden mit

35 diesem Mann nicht fertig. Er wird uns immer zum Narren haben.