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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts XXV

Angaben des modernen Fremdenführers überein. Sie ist ein kleinesMeisterstück, voll lyrischen Empfindens und Freude an der Natur;seine Wirkung wird durch den Schmuck des auch sonst vom Ver-fasser häufig angewandten Homoioteleutons nur noch mehr gehoben.Das nämliche gilt von dem prächtigen Vergleich des Häretikerzeit- 5alters mit dem sich legenden Gewittersturm (G. 27, 2 f.). Aber nichtbloß Freude an der Natur hat der Autor, sondern auch Sinn fürHumor. Es ist kein derber, sondern ein kultivierter, der etwas mitder romantischen Ironie gemein hat. Am schönsten kommt er inder Erzählung von der Entführung der Servatiusreliquien nach Qued- 10Hnburg zum Ausdruck. (Kap. 24.) Man meint fast die schälkischenAugen zu sehen, wenn man das Stück gelesen hat. Kurz und gut,trotz aller uns heute etwas eigentümlich berührenden Ansichten überWahrhaftigkeit ist der Verfasser eine liebenswürdige Gestalt. SeinWerk gehört nicht nur der mittellateinischen, sondern auch der 15deutschen Literatur an. Es hat auf diese, wie wir noch sehen werden,einen bedeutenden Einfluß gehabt.

Neben den Gesta und den bis jetzt genannten Vitae Servatii gibte s noch zwei ebenso umfangreiche Servatiusromane. Der eine inder Trierer Handschrift T und von mir, soweit er mit den Gesta 20übereinstimmt, für die Varianten im kritischen Apparat benutzt, so-fern er von diesen abweicht, im Anhang Nr. I, S. 273 f. mitgeteiltvBHL. 76177621); der andere stammt von einem Mann, der sichJocundus nennt (= BHL. 76267632; mit T kontaminiert BHL. 7622'625). Die Translatio und die Miracula dieses Jocundus sind von 25R - Köpke in den MG. SS. XII 93, 1 f. herausgegeben worden. Vonseiner Vita dagegen ist bis jetzt nur Weniges im Druck zugänglich.Ewiges ist bei Köpke daraus ausgezogen, einiges von mir in denAnhängen Nr. II S. 277 f. Ich habe mich derselben Trierer Hand-schrift (Cod. Trevir. LIX membr.) bedient, die auch Köpke benutzt 30hat- Sie ist nicht fehlerfrei und unter allen Umständen kein Original.Es ist sehr schade, daß bei der Ausgabe der MG. nicht der ganzeText des Jocundus gedruckt wurde, aber eine neue Ausgabe ist dieKosten des Druckes nicht wert, denn der Inhalt von des JocundusArbeit ist dürftig und ihr literarischer Wert gering. ss

Über das Verhältnis beider Romane zu den Gesta ist bis jetztnoch keine Klarheit geschaffen. Wir behandeln zunächst die Be-