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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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XXII
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XXII Einleitung. Erstes Kapitel

Soweit die politische Tendenz der Gesta sancü Servatii. DerVerfasser hat natürlich auch in literarischer Beziehung Hergers Ser-vatiuslegende in vielen Dingen umgestaltet. Er hat den UntergangTongerns motiviert und zu diesem Zweck einen Aufstand seiner Ein-

5 wohner gegen ihren Bischof inszeniert. Man wird nicht fehlgehen,wenn man annimmt, daß er aus der Legende des hl. Landbertdie Anregung zu dieser Änderung erhielt. Denn wie gegen denhl. Servatius, so hetzt auch der Teufel gegen den hl. Landbertdie eigene Herde, die nicht weiß was sie tut.* Tongern selbst

10 hat er als ein förmliches Babel, als ein Sodom und Gomorra zuschildern gesucht. Die Motive und Kulissen hat er dazu aus derBibel entlehnt. Aus der Lütticher Schule hervorgegangen hat erHergers historische Methode auf sein Werk angewandt, er hat ihnsogar überboten. Er sucht gleichfalls, aber in ausgedehnterem Maße

15 als Herger den hl. Servatius in die Geschichte seiner Zeit hinein-zustellen und, da er auch bei den nach des Heiligen Tode ge-schilderten Ereignissen Streiflichter auf die jeweiligen zeitgeschicht-lichen Ereignisse fallen läßt, so sind seine Gesta zu einer Art Ge-schichte der Lütticher Diözese in nuce geworden.

2o Ganz besonders bereichert hat der Verfasser aber die Partieen derLegende, in denen Attila und die Hunnen auftreten. Die geschicht-lichen Tatsachen gibt er meist durch Exzerpte aus der Fortsetzungdes Paulus Diaconus zu Eutrop wieder. Er hat jedoch auch vonneuem Motive aus der Hunnenlegende, vor allem der älteren Vita

äs Lupi (BHL. 5087) und der Memoriusvita (BHL. 5915) aufgegriffen.Denn wo irgend er ein Motiv fand, welches den Ruhm seinesHelden heben konnte, hat er es auf ihn übertragen. Er hat demhl. Memorius die Glorie Attila bekehrt zu haben, nicht gegönnt.Sein Servatius hat diese Tat vollbracht. Wie die Gebete des

m hl. Lupus und des hl. Anian nicht erfolglos und unerhört bei Gottblieben, so auch die nicht, die der hl. Servatius zum Himmel

* Die Benutzung der Vita sei. Landberti (BHL. 4678) ist unten 28, 32 f. nach-gewiesen. Es war wohl folgende Stelle dieser Vita, welche dem Verfasser vor-schwebte. ASS. Sept. 5, 575 A: tunc invidus omnium bonorum diabolus festinus35 insurrexit contra beatum virum cum adversariis scevissimis iniqua et falsa con-silia madiinantibus, ut eum de sede pontificali dejicerent. Ita autem praevaluitiniquitas eorum, ut deponerent eum de sede sua sine causa ; et privatus est honoreStio absque culpa. Vgl. G. 33, 3 f.