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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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XXI
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Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts XXI

zeichnet, ist dann dieser Kaiser ungerecht oder gar verdammungs-würdig? Nein! Die Excommunication, fügt er triumphierend und aufdamals geflügelte Worte aus dem Briefwechsel Gregors VII. und Her-mans von Metz anspielend hinzu, ist weit besser angebracht bei denen,die sie aussprachen, als bei dem, dem sie galt. (G. 145, 5 f.)* Das 5war deutlich genug und unangenehm. Wie unangenehm, zeigt dieTatsache, daß nur die Handschriften, welche an der nördlichstendeutsch-französischen Grenze entstanden, diesen polemischen Schlußder Gesta bewahrt haben.

In der Erzdiözes Trier dürfte man den Gesta Servatii gleich nach 10dem Erscheinen nicht gerade sympathisch gegenübergestanden haben.Waren sie doch, wie Hergers Bischofsgeschichte gegen die TriererVersion der Euchariuslegende gerichtet und hatten sie diese dochsogar übertrumpft. St. Servatius besaß die ganze Gewalt Petri undwar apostelgleich. In Trier hatte man nur Petri Stab, mit dem der 15Trierer Metropolit die ihm anvertraute Herde weiden sollte. Es ist sehrwahrscheinlich, daß das plötzliche Hervorholen der Matthiasapostel-legende und die Verehrung der Matthiasreliquien, welche in Trier seitdem zwölften Jahrhundert auftritt, eine Antwort auf die Vorgänge inder Nachbardiözese Lüttich war. Fast hat es den Anschein, als sei 20der Verfasser der fabulistischen Gesta Matthiae (BHL. 5700; vgl. auchPBB. 33 [1908], 319) bei dem Autor der Gesta sancti Servatii indie Schule gegangen. Denn wie dieser so prahlt auch jener mitunverdauter hebräischer Gelehrsamkeit. Wie sehr man sich aberm Trier für den hl. Servatius damals interessierte, zeigt die Be- «5arbeitung C der Gesta Treverorum, welche gerade seinem Stift inMaastriecht und seiner mit der Trierer Kathedrale engverknüpften Ge-schichte peinlich liebevolle Aufmerksamkeit widmet.

* Daß der Verfasser mit diesen Worten sich in der Umgebung Heinrichs IV.beliebt machte, ist klar. Gegen sie waren ja die Worte Gregors vom 3. März 1078 so(Ph. Jaffa Biblioth. rer. Germ. 2, 308) gerichtet: Apostolica nanque auctoritate abanathematis vinculo hos subtrahimus: videlicet uxores liberos servos ancillas seumancipia nee non rusticos et servientes et omnes alios, qtii non adeo curialessunt, ut eorum consilio scelera petpetrentur, et Mos qui ignoranter exeommuni-catis communicant, seu Mos qui communicant cum eis, qui communicant excom- 85municatis. Quicumque autem aut orator sive peregrinus aut viator in terramexc ommunicatorum devenerit, ubi non possit entere vel non habet unde emat, ab ex-communicatis aeeipiendi licentiam damus. Et si quis exeommunicatis non pro susten-tatione superbiae sed humanitatis causa aliquid dare voluerit, fieri non prohibemus.