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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
XVII
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Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts XVII

helfend und fördernd eingreifen. Der Engel, der bereits dem Großonkelerschienen war, erschien auch dem Großneffen, der schon seit langemzu sterben wünschte. Er verkündete ihm, daß er noch in Germanienden Glauben zu predigen habe, bevor sein Ende nahe. Der heiligeGeist kommt über Servatius und gibt ihm, wie den zwölf Aposteln, 5die Fähigkeit in allen Zungen zu reden. Servatius war Apostel ge-worden und seine Handllingen waren apostolisch. Aber diesesApostolat war verschieden von den bis dahin bekannten christlichenApostelämtern. Christus war von Gott dem Vater, Petrus von Gottund dem Menschen, Maternus nur vom Menschen, Servatius aber 10weder von Gott noch vom Menschen, sondern durch engelischeBotschaft gesandt (s. G. 12,1 f.). Das Apostolat des Servatius standalso über dem des Maternus und insofern auch über dem ApostolatPetri, als bei diesem Christus als Mensch mitwirkte, bei jenem aberjegliche Mitwirkung von seiten des Menschen ausgeschlossen war. 15

Uns erscheint die Häufung solcher hagiographischer Adelsprädikate,wie sie der Verfasser der Gesta vorgenommen hat, eher schädlichals nützlich, wenn man dabei, verzichtend auf jede geschichtlicheGlaubwürdigkeit, das betreffende Stück lediglich als eine zu ganz be-stimmten parteipolitischen Zwecken geschriebene Schrift ansieht. Aber 20wir dürfen uns dabei nicht von unserem modernen Gefühl, das nurwenige über ihrer Zeit stehende und durch ihre Bildung hervor-ragende Männer damals besessen haben, leiten lassen. Die Mehr-za hl, und auch die des niederen Klerus, hat gerade in der Häufungsolcher Wunder und unglaublicher Geschichten, wenn es sich um 25Heilige handelte, deren Leben eben Wunder und Unglaubliches auf-weisen mußte, damit man sie als Heilige verehren konnte, einengroßen und bedeutenden Beweis gesehen. Und schließlich ist jedepublizistische Schrift eben doch auf die Masse berechnet, nicht aufdie leitenden, den eigentlichen Kampf kämpfenden Personen. Nur sie 30haben die Fäden in der Hand, sie allein kennen sich in den feinerenEinzelheiten der schwebenden Fragen aus, und sie haben ein Interessedaran, diese zu verschleiern und nicht den Augen der Masse zuzeigen.

In diesem Sinne müssen wir auch die Arbeit unseres Publizisten ssauffassen. Sein Streben war auf die Menschen der näheren Um-gebung von Maastriecht zu wirken und, wenn es ging, auf die der

Wilhelm, S. Servatius II