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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts XV

anfechten, so konnte er nicht damit bei Petrus einsetzen, sondernerst bei seinen Nachfolgern. Der Verfasser der Gesta hat die Stelle,bei der er mit seiner Polemik eingreifen mußte, auch richtig heraus-gefunden. Die Himmelsschlüssel waren zwar in Petri Besitz ge-kommen. Daraus folgte aber keineswegs, daß sie nach Petri Kreuzi- 5gung auf dessen Nachfolger übergegangen waren. Wie jeder andereBesitzer so hatte auch Petrus das Recht über seinen Besitz frei zuverfügen. Denn der Sohn Gottes hatte seinen Jünger bei der Über-gabe nicht gebunden, die Schlüssel nur seinem Nachfolger im Hirten-amte zu übergeben oder überhaupt nur Einem und nicht Mehreren. 10Nach dem Wortlaute der Matthäusstelle konnte Petrus für sich sogardie Berechtigung ableiten, die Schlüssel nach seinem Tode zunächstbei sich zu behalten, ohne sie einem anderen Irdischen zu ver-leihen.

Diese und ähnliche Überlegungen brachten den Verfasser der Gesta 15auf den Gedanken, den hl. Servatius als unmittelbaren NachfolgerPetri im Schlüsselamt hinzustellen. Passende Gelegenheit dies an-zubringen bot die Wallfahrt des Heiligen zu den Apostelgräbern derPeterskirche und das sich daran schließende Gesicht. Der Heiligeerlangt zwar nicht die Errettung Tongerns und seiner Einwohner vor 20dem leiblichen Untergang, aber der Herr sendet ihm den Petrus undläßt durch seinen Claviger ihm den silbernen Himmelsschlüssel über-reichen, mit dem er die Himmelspforte öffnen und schließen kann.

Man wird dem Verfasser der Gesta zugestehen müssen, daß erdie Visionsszene bei Herger, die er seiner Arbeit zugrunde legte, mit 25dramatischem Geschick in seinem Sinn umgearbeitet hat. Aber alleinhätte das nicht genügt. Andere Diözesen hätten ebenso wie dieLütticher für einen ihrer Bischöfe eine Schlüsselübergabe durch Petrusbehaupten können. Die außergewöhnliche Art der Übergabe mußtebegründet werden. Auch hierfür bot die Fassung Hergers willkom- 30menes und genügendes Material. Nach Herger war ja Tongern" und dieser Ansicht hatte sich der Verfasser der Gesta angeschlossen

durch Maternus, und somit auch gewissermaßen in Petri Auftrage,gegründet. Das Schlüsselamt hatte Petrus aber seinem Jünger nichtübertragen. Wenn es Petrus dem Servatius übertrug, so mußte dieser 35wohl auch dementsprechend irgendwie hervorragen. Diese den Mater-nus und somit eine Menge anderer Bistumsgründer überragende Stel-