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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
XII
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XII Einleitung. Erstes Kapitel

an Ageruchia (MSL. 22, 1046 f.), der älteren Vita Lupi (BHL. 5087),der Passio Nicasii (BHL. 6075?), der Metzer Bischofsgeschichte desPaulus Diakonus und wahrscheinlich auch unter Benutzung desLiber historiae Francorum und der Karlsvita Einharts, hat er die Zeit,

5 in der Servatius lebte, zu charakterisieren gesucht. 'Wirklich organischverknüpft hat Herger die Ereignisse nicht: es lassen sich überall dieKompositionsfugen noch aufdecken. Hie und da hat er zu motivierengesucht. So hat er angedeutet, daß Tongern an seiner Zerstörungeine gewisse Schuld trifft. Worin sie besteht, wird freilich nicht deut-

io lieh gesagt. Man ahnt, daß Häresie der Grund war. Neu ist bei ihmauch der Hinweis, daß eine Ansicht bestehe, nach der Servatius einMitglied der heiligen Familie sei. Bei Herger ist also die Stoffmasseder Legende zwar angeschwollen, der Gang der Erzählung und dieTendenz sind aber im Vergleich zu den älteren Fassungen nicht

15 wesentlich verändert. Hierfür sollten andere Anlässe maßgebend werden.

Etwa hundert Jahre nach dem Erscheinen von Hergers Werke

hatte sich die innerpolitische Lage Deutschlands trostlos wie noch

nie gestaltet. Das Reich war von Parteien zerklüftet: Stammeshader

und religiöser Zwist hatten Ordnung und Ruhe untergraben. An

20 seiner Spitze stand ein energischer und hochbegabter, aber unglück-licher König, Heinrich IV, dem nichts erspart geblieben ist von dem,was das Leben Bitteres und Schweres über das Haupt eines Herrschersverhängen kann; ihm gegenüber ein ebenso energischer, aber alsMensch und Fürst glücklicherer Papst, Gregor VII. Seit der Kampf

25 zwischen dem kirchlichen und weltlichen. Oberhaupt der Christenheitausgebrochen war, hat es, solange Heinrich lebte, einen dauerndenFrieden nicht gegeben. Gregors Nachfolger setzten den Kampf er-bittert fort. Im Laufe der Jahre war der Streit immer mehr zumKampf zweier großer Parteien, die um die Herrschaft rangen, ge-

30 worden und launisch verteilte das Glück seine Gaben. In dieserschweren Zeit haben das Herzogtum Lothringen und die niederlän-dischen Bischöfe treu zur Seite ihres Königs gestanden und mit Waffeund Wort, mit Feder und Faust für ihn gefochten. Herzog Gotfridder Jüngere von Lothringen, Bischof Wilhelm von Utrecht und die

35 Bischöfe Heinrich und Otbert von Lüttich, auch Sigfrid von Gem-bloux sind hier in erster Linie zu nennen. Seit dem Ableben Her-zog Gotfrids und Bischof Wilhelms ist Lüttich die treuste und auf-