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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften Jahrhunderts IX

vatius gegeben. Auch als am Ausgang des neunten, Anfang deszehnten Jahrhunderts Bischof Ratbot von Utrecht, der Neffe Gunt-hars von Köln und gelehrige Schüler des Manno, seinen Sermo degemina felicitate confessoris et episcopi Christi Servatii (Anal. Bol. 1,104 f.) schrieb, ist eine veränderte, den übrigen Hunnenlegenden ent- 5gegenkommende Tendenz nicht zu bemerken. Erst als der hl. Ser-vatius ein politischer Heiliger wurde, trat eine Änderung ein.

Zur Zeit, da Gregor sein Liber in gloria confessorum schrieb,war St. Servais in Maastriecht schon erbaut. Wir haben keinen Grund,seine Angabe, nach welcher der Bau unter Bischof Munolf aufgeführt 10wurde, zu bezweifeln. Damals hieß das Münster wohl noch St. Ara-vatii; aber schon als Wando von Wandrille dort lebte, trug es denNamen des hl. Servatius. Ein Bischof residierte damals nicht mehrdort. Der Tongerer Stuhl war durch Bischof Hubert um 720 nachLüttich verlegt worden und ist da bis heute geblieben. St. Servais «blieb der Ruhm aus früheren Tagen. Wie alle Kirchen im Franken-reiche auf königlichem Boden, so stand auch das Maastriechter Stiftunter dem Schutze des Königs. Aber nur wenige Nachrichten sindaus diesen ältesten Zeiten über St. Servais auf uns gekommen. Alcuinhat auf seinen Reisen dort mehrfach gastliche Aufnahme gefunden 20(Alcuin ep. Nr. 165 v. J. 799; MG. ep. IV 267, 31 f.), und der BiographKarls des Großen, Einhart, bekleidete dort die Ehrenstelle eines Abtes(MG. ep. V 111, 3; 137, 4). Als Bischof Bernhar von Worms 826sein Ende nahe fühlte, stiftete er für das Maastriechter Kloster einPallium: Mitto tibi pallium unum, quem rogo fratribus ad sanctum <&Servatium dare iubeas, ut mei mentionem faciant, schrieb er an AbtEinhart. Dann ist es länger wieder still. Nur kurz erfahren wirdurch die Annalen des Hinkmar von Reims (MG. SS. I 489, 15 f.),daß beim Vertrag von Mersen im Jahr 870 Maastriecht mit St. Servaisan Karl den Kahlen fiel. Aber schon vor 889 war die Abtei an das 30ostfränkische Reich zurückgefallen. Am 1. Juli dieses Jahres schenktenämlich König Arnulf der Kathedrale von Trier auf Bitten des Erz-bischofs Ratbod St. Servais zum Gedächtnis seines Großvaters Ludwig,seines Vaters Karlman und seiner Oheime Ludwig und Karl (s. Böhmer,Mühlbacher Reg. imp. I Nr. 1771). Die Schenkung ist von großer ssBedeutung für die Folgezeit geworden. Denn wenn auch St. Servaisvorübergehend in andere Hände kam oder wie z. B. unter Otto dem