Asien, im südwestlichen Altai zweifelhaft blieben, werden durch geognostischeBeobachtungen in den Hochebenen von Mexiko und Antioquia, in den Fluß-tälern des Choco unerwartet aufgeklärt. Die Materialien, welche die allgemeineErdkunde anwendet, sind nicht zufällig aufgehäuft. Unser Zeitalter erkenntnach der Tendenz, die ihm seinen individuellen Charakter gibt, daß Tat-sachen nur dann fruchtbringend werden, wenn der Reisende den dermaligenZustand und die Bedürfnisse der Wissenschaft kennt, deren Gebiet er erweiternwill, wenn Ideen, das heißt Einsicht in den Geist der Natur, das Beobachten undSammeln vernunftmäßig leiten.
Durch diese Richtung des Naturstudiums, durch diesen glucklichen aber oftauch allzu leicht befriedigten Hang nach allgemeinen Resultaten, kann einbeträchtlicher Teil des Naturwissens das Gemeingut der gebildeten Menschheitwerden ein gründliches Wissen erzeugen, nach Inhalt und Form, nach Ernstund Würde des Vortrags ganz von dem verschieden, das man bis zum Endedes letzten Jahrhunderts dem populären Wissen genügsam zu bestimmenpflegte. Wem daher seine Lage es erlaubt, sich bisweilen aus den engenSchranken des bürgerlichen Lebens hinaus zu retten, errötend, „daß er langefremd geblieben der Natur und stumpf über sie hingehe", der wird in der Ab-spiegelung des großen und freien Naturlebens einen der edelsten Genüsse finden,welche erhöhte Vernunfttätigkeit dem Menschen gewähren kann. Das Studiumder allgemeinen Naturkunde weckt gleichsam Organe in uns, die lange ge-schlummert haben. Wir treten in einen innigeren Verkehr mit der Außen-welt bleiben nicht unteilnehmend an dem, was gleichzeitig das industrielleFortschreiten und die intellektuelle Veredlung der Menschheit bezeichnet.Je klarer die Einsicht ist, welche wir in den Zusammenhang der Phänomene er-langen desto leichter machen wir uns auch von dem Irrtume frei, als warenfür die Kultur und den Wohlstand der Völker nicht alle Zweige des Natur-wissens gleich wichtig, sei es der messende und beschreibende Teil, oder dieUntersuchung chemischer Bestandteile, oder die Ergründung allgemein ver-breiteter physischer Kräfte der Materie. In der Beobachtung einer anfangs iso-liert stehenden Erscheinung liegt oft der Keim einer großen Entdeckung. AlsGalvani die sensible Nervenfaser durch Berührung ungleichartiger Metallereizte, konnten seine mächtigen Zeitgenossen nicht hoffen, daß die Kontakt-elektrizität der Voltaischen Säule uns in den Alkalien silberglänzende, auf demWasser schwimmende, leicht entzündliche Metalle offenbaren, daß die Säuleselbst das wichtigste Instrument für die zerlegende Chemie, ein Thermoskopund ein Magnet werden würde. Als Huyghens die Lichterscheinungen desDoppelspats zu enträtseln anfing, ahnte man nicht, daß durch den bewunde-rungswürdigen Scharfblick eines Physikers unserer Zeit farbige Polarisations-phänomene dahin leiten würden, mittels des kleinsten Fragments eines Mine-rals zu erkennen, ob das Licht der Sonne aus einer festen Masse oder aus einergasförmigen Umhüllung ausströme, ob Kometen selbstleuchtend sind, oderfremdes Licht wiedergeben. .. .
Gleichmäßige Würdigung aller Teile des Naturstudiums ist aber vorzuglichein Bedürfnis der gegenwärtigen Zeit, wo der materielle Reichtum und derwachsende Wohlstand der Nationen in einer sorgfältigen Benutzung von
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