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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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3. DER MENSCH

DAS AUGE

Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischenHilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde,und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Lichtdem äußeren entgegentrete.

Hierbei erinnern wir uns der alten ionischen Schule, welche mit so großerBedeutsamkeit immer wiederholte: nur von Gleichem werde Gleiches erkannt,wie auch der Worte eines alten Mystikers, die wir in deutschen Reimen fol-gendermaßen ausdrücken möchten:

War nicht das Auge sonnenhaft,Wie könnten wir das Licht erblicken?Lebt nicht in uns des Gottes eigne Kraft,Wie könnt uns Göttliches entzücken?

Jene unmittelbare Verwandtschaft des Lichtes und des Auges wird niemandleugnen, aber sich beide zugleich als eins und dasselbe zu denken, hat mehrSchwierigkeit. Indessen wird es faßlicher, wenn man behauptet, im Augewohne ein ruhendes Licht, das bei der mindesten Veranlassung von innenoder von außen erregt werde. Wir können in der Finsternis durch Forde-rungen der Einbildungskraft uns die hellsten Bilder hervorrufen. Im Traumeerscheinen uns die Gegenstände wie am vollen Tage. Im wachenden Zustandewird uns die leiseste äußere Lichteinwirkung bemerkbar, ja, wenn das Organeinen mechanischen Anstoß erleidet, so springen Licht und Farben hervor.(Goethe, Zur Farbenlehre, 1810.)

DAS HERZ

Man findet im Herzen keine Nerven, sondern es ist die reine Lebendigkeitder Irritabilität im Zentrum, als Muskel, der pulsiert. Als die absolute Bewe-gung, das natürliche lebendige Selbst, der Prozeß selbst, wird das Blut nichtbewegt, sondern ist die Bewegung. Daß es bewegt werde, dazu suchen diePhysiologen allerhand Kräfte auf:Der Herzmuskel stößt es zunächst aus,und da helfen die Wandungen der Arterien und Venen und der Druck derfesten Teile, die es treiben; bei den Venen freilich hilft der Herzstoß nicht mehr,da muß es der Druck der Wandungen allein tun." Alle diese mechanischenErklärungen der Physiologen sind aber unzureichend. Denn wo kommtdieser elastische Druck der Wandungen und des Herzens her?Von demReiz des Blutes," antworten sie. Das Herz also bewegt hiernach das Blut,und die Blutsbewegung ist wieder das Bewegende des Herzens. Das ist aberein Kreis, ein perpetuum mobile, das sogleich stillstehen müßte, weil dieKräfte in Gleichgewicht sind. Ebendarum ist vielmehr das Blut selbst dasPrinzip der Bewegung, es ist der springende Punkt, durch den die Zusammen-ziehung der Arterien mit dem Nachlassen der Herzventrikel zusammenfällt.

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