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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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WELTALL UND ERDE

I. WELTRAUM UND LICHT

DER UNTEILBARE BAU DES WELTALLS

Vom Himmel muß unsere Philosophie der Geschichte des menschlichen Ge-schlechtes anfangen, wenn sie einigermaßen diesen Namen verdienen soll.Denn da unser Wohnplatz, die Erde, nichts durch sich selbst ist, sondern vonhimmlischen, durch unser ganzes Weltall ich erstreckenden Kräften ihre Be-schaffenheit und Gestalt, ihr Vermögen zur Organisation und Erhaltung derGeschöpfe empfängt: so muß man sie zuvörderst nicht allein und einsam, son-dern im Chor der Welten betrachten, unter die sie gesetzt ist. Mit unsichtbaren,ewigen Banden ist sie an ihren Mittelpunkt, die Sonne, gebunden, von der sieLicht, Wärme, Leben und Gedeihen erhält. Ohne diese könnten wir unserPlanetensystem nicht denken, sowenig ein Zirkel ohne Mittelpunkt stattfindet;mit ihr und den wohltätigen Anziehungskräften, womit sie und alle Materiedas ewige Wesen begabt hat, sehen wir in ihrem Reich nach einfachen schönenund herrlichen Gesetzen Planeten sich bilden, sich um ihre Achse und um einengemeinschaftlichen Mittelpunkt in Räumen, die mit ihrer Größe und Dichtig-keit im Verhältnis sind, munter und unablässig umherdrehen, ja, nach ebendiesen Gesetzen sich um einige derselben Monde bilden und von ihnen festge-halten werden. Nichts gibt einen so erhabnen Blick, als diese Einbildung desgroßen Weltgebäudes, und der menschliche Verstand hat vielleicht nie einenweiteren Flug gewagt und zum Teil glücklich vollendet, als der in Kopernikus,Kepler, Newton, Huygens und Kant die einfachen, ewigen und vollkommenenGesetze der Bildung und Bewegung der Planeten aussann und feststellte.Mich dünkt, es ist Hemsterhuis, der es beklagt, daß dies erhabene Lehrgebäudeauf den ganzen Kreis unserer Begriffe die Wirkung nicht tue, die es, wenn eszu den Zeiten der Griechen mit mathematischer Genauigkeit festgestellt wäre,auf den gesamten menschlichen Verstand würde getan haben. Wir begnügenuns meistens, die Erde als ein Staubkorn anzusehen, das in jenem großen Ab-grunde schwimmt, wo Erden um die Sonne, wo diese Sonne mit tausend an-deren um ihren Mittelpunkt und vielleicht mehrere solcher Sonnen-Systemein zerstreuten Räumen des Himmels ihre Bahnen vollenden, bis endlich dieEinbildungskraft sowohl als der Verstand in diesem Meer der Unermeßlichkeitund ewigen Größe sich verliert und nirgend Ausgang und Ende findet. Alleindas bloße Erstaunen, das uns vernichtigt, ist wohl kaum die edelste und blei-bendste Wirkung. Der in sich selbst überall allgenugsamen Natur ist das Staub-korn so wert, als ein unermeßliches Ganze. Sie bestimmte Punkte des Raumesund des Daseins, wo Welten sich bilden sollten, und in jedem dieser Punkteist sie mit ihrer unzertrennlichen Fülle von Macht, Weisheit und Güte so ganz,als ob keine anderen Punkte der Bildung, keine anderen Weltatome wären.

T Wolters, Der Deutsche. V, 1. T