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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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2. FREMDES LAND

DER KREML IN MOSKAU

Wir besuchten zuerst den Kreml, den größten Stolz und das Paladium derHauptstadt und der ganzen Nation, die alte Zarenburg, an deren festen Mauernin aufeinanderfolgenden Jahrhunderten die Tataren, Polen und Franzosennicht ohne glückliche Erfolge und unglückliche Endresultate ihre Kräfteversuchten und ihren Ehrgeiz befriedigten.

Kein Punkt in der Nähe des Kreml eignet sich besser, die ganze fabelhaftePracht der Türme und Kuppeln des Kreml mit einem Blick zu übersehen,als das Südufer der Moskwa, östlich von der Moskwabrücke. Über dembreiten Moskwaspiegel, den glänzenden Moskwakais und der schönen hohenMoskwabrücke erheben sich die weißen Mauern des Kreml mit ihren zahl-reichen mittelalterlichen und teilweise rein gotischen Mauertürmen, diegrößtenteils alle unter der Regierung Iwans III. Wassiliewitsch gegen Endedes fünfzehnten Jahrhunderts aufgeführt wurden. Mauern und Mauertürmesind mit Zinnen und Schießscharten versehen, und ihre Stärke ruft bald dieÜberzeugung hervor, daß sie zum Schutze der größten Heiligtümer und histo-rischen Reliquien der Nation dastehen. Innerhalb dieser festen, kriegerischenRingmauer stehen die Bauwerke und Monumente, an denen sich seit derGründung Moskaus sieben Jahrhunderte verewigten, und in denen fast alleälteren Nationalheiligtümer, die bis auf unsere Zeit gekommen, eingeschlossensind. Im Vordergrunde erheben sich die goldenen Kuppeln der prachtvollenKathedralen zur Verkündigung und zur Himmelfahrt Maria, der Kathedraledes Erzengels Michael und die der zahlreichen anderen Kirchen und Klöster,unter denen die elf Kuppeln der Kirche des Erlösers hinter dem goldenenGitter und die acht dunkelblau und goldenen Kuppeln des Tschudowaklostersalle übrigen an Glanz überstrahlen. Um die Mitte dieser Gruppe von Kirchenund glänzenden Kuppeln strebt mächtiger als alle anderen der schlankeGlockenturm des Iwan weliki mit seiner seltsamen Zwiebelkuppel und seinemhohen Kreuz in die Höhe und bildet von dieser Seite auch ungefähr den Mittel-punkt der ganzen wirren Masse von Gebäuden und Türmen, zwischen denendie Überreste des kolossalen alten Zarenpalastes fast verschwinden und sichkaum der neue Kaiserpalast vor dem Tschudowakloster bemerklich machenkann. Den Hintergrund dieser Kirchen, Klöster und Paläste bilden die Kup-peln und Dächer der riesenmäßigen Gebäude auf der Nordseite des Kreml:des Senats und des alten und neuen Arsenals, über die überall noch die schlan-ken, gotischen Mauertürme der Nordwestseite der Ringmauer hervorragen.Sind schon allein die Formen fähig, durch ihre Gedrängtheit und ihren teilweisebarocken Baustil einen seltsamen Eindruck hervorzurufen, so wird dieserdoch noch ins überraschend Wunderbare gesteigert durch die blendendenFarben, die aufs mannigfaltigste und in den schroffsten Gegensätzen an denGebäuden des Kreml verschwendet sind. Wie sieben Jahrhunderte hier sichin ihren Formen erschöpften und diese Formen planlos untereinander wür-felten, so sind die sieben Farben des Regenbogens planlos an diesen planlosen

IS Wolters, Der Deutsche. V, 2. _____

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