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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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4. UNHEILE UND EINBRÜCHE

METEORE

Der ungebildete Mensch ist geneigt, das Wunderbare zu glauben, der Gebildete,Gelehrte, es zu bestreiten, weil er keine Wunder statuiert, weil ihm allesnatürlich sein soll, das Wunderbare aber gegen die Naturgesetze verstößt.So hat, wie Humboldt sagt, eine vornehm tuende Zweifelsucht, welche Tat-sachen verwirft, ohne sie zu ergründen, und welche in einzelnen Fällen fastnoch verderblicher ist als unkritische Leichtgläubigkeit, auch die Meteor-steine geleugnet. Obgleich seit drittehalbtausend Jahren die Annalen allerVölker von Steinfällen erzählen, mehrere Beispiele derselben durch unver-werfliche Augenzeugen außer Zweifel gesetzt waren, obgleich die Bätylieneinen wichtigen Teil des Meteorkultus der Alten ausmachten, und die Be-gleiter des Ferdinand Cortez in Cholula den Ärolithen sahen, der auf diegroße Pyramide gefallen war, obgleich die Kalifen und mongolischen Fürstensich von frischgefallenen Meteorsteinen hatten Schwerter schmieden lassen,ja, Menschen durch vom Himmel gefallene Steine erschlagen waren (einFrate zu Crema am 4. September 151 X, ein anderer Mönch in Mailand 1650,zwei schwedische Matrosen 1674), so ist doch bis auf Chladni ein so großesPhänomen unbeachtet und unerkannt geblieben.

Dem bekannten Physiker Chladni gelang es, so überzeugende Beweise fürdie Tatsächlichkeit dieser Erscheinungen zu sammeln, daß seit seinem Werkeüber diesen Gegenstand (zur Ostermesse 1794) niemand unter den deutschenGelehrten mehr daran zweifelte, und der 16. Juni 1794 brachte zu Siena, sowieder 13. Dezember 1795 zu Woodcottage in Yorkshire so überzeugend fest-gestellte Steinfälle, daß selbst dem ärgsten Skeptiker jeder Zweifel vergehenmußte.

Nicht so war es in Frankreich. Dort blieb man dabei, die Steinregen unddie Steinfälle für Ammenmärchen zu erklären und als nicht existierend zubetrachten. Biot hielt bei einer Sitzung der Akademie der Wissenschafteneinen Vortrag über diesen Gegenstand, ward aber durch das Gemurmel undGeflüster der Zuhörer, dann aber durch den Präsidenten unterbrochen, welchererklärte, es sei der Wissenschaft unwürdig, sich mit solchen Kindermärchenzu befassen, und der gegenwärtigen Gesellschaft unwürdig, sie damit zu be-helligen. Biot mußte seine auf die Untersuchung deutscher Gelehrten gestützteAbhandlung in die Tasche stecken.

Am 26. April des Jahres 1803 ereignete sich unfern des Städtchens Aigle,im Departement Orne, etwas gar Merkwürdiges. Hunderte von unverdäch-tigen, nicht abergläubigen und ungebildeten, sondern gescheiten, vorurteils-freien Leuten hatten es gesehen und bezeugten es gerichtlich und vollkommeneinstimmig.

An dem gedachten Tage hatte es plötzlich aus heiterem Himmel geblitzt,furchtbar gedonnert, über der Stadt war eine kleine Wolke entstanden, nie-mand wußte, woher sie gekommen, von derselben war eine mächtige Feuer-

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