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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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WECHSELWEISE GESTALTUNG

I. ALLKRAFT UND MENSCH

ALLNATUR

Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen unvermögend, aus ihrherauszutreten, und unvermögend, tiefer in sie hinein zu kommen. Ungebetenund ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt unsmit sich fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arm entfallen.Sie schafft ewig neue Gestalten, was da ist, war noch nie, was war, kommt nichtwieder: Alles ist neu und doch immer das Alte. Wir leben mitten in ihr undsind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät uns ihr Geheim-nis nicht. Wir wirken beständig auf sie und haben doch keine Gewalt über sie.Sie scheint alles auf Individualität angelegt zu haben und macht sich nichts ausden Individuen. Sie baut immer und zerstört immer, und ihre Werkstätte ist un-zugänglich. Sie lebt in lauter Kindern, und die Mutter, wo ist sie? Sie istdie einzige Künstlerin: aus dem simpelsten Stoff zu den größten Kontrasten,ohne Schein der Anstrengung zu der größten Vollendung zur genauesten Be-stimmtheit, immer mit etwas Weichem überzogen. Jedes ihrer Werke hat eineigenes Wesen, jede ihrer Erscheinungen den isoliertesten Begriff, und dochmacht alles eins aus.

Sie spielt ein Schauspiel: ob sie es selbst sieht, wissen wir nicht, und doch spieltsies für uns, die wir in der Ecke stehen.

Es ist ein ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr, und doch rückt sie nichtweiter. Sie verwandelt sich ewig, und ist kein Moment Stillestehen in ihr.Fürs Bleiben hat sie keinen Begriff, und ihren Fluch hat sie ans Stillestehen ge-hängt. Sie ist fest. Ihr Tritt ist gemessen, ihre Ausnahmen selten, ihre Gesetzeunwandelbar.

Gedacht hat sie und sinnt beständig, aber nicht als ein Mensch, sondern alsNatur. Sie hat sich einen eigenen, allumfassenden Sinn vorbehalten, den ihrniemand abmerken kann.

Die Menschen sind alle in ihr und sie in allen. Mit allen treibt sie ein freund-liches Spiel und freut sich, je mehr man ihr abgewinnt. Sie treibts mit vielen soim Verborgenen, daß sies zu Ende spielt, ehe sies merken.Auch das Unnatürlichste ist Natur, auch die plumpste Philisterei hat etwasvon ihrem Genie. Wer sie nicht allenthalben sieht, sieht sie nirgendswo recht.Sie liebt sich selber und haftet ewig mit Augen und Herzen ohne Zahl an sichselbst. Sie hat sich auseinandergesetzt, um sich selbst zu genießen. Immerläßt sie neue Genießer erwachsen, unersättlich sich mitzuteilen.Sie freut sich an der Illusion. Wer diese in sich und anderen zerstört, den straftsie als der strengste Tyrann. Wer ihr zutraulich folgt, den drückt sie wie einKind an ihr Herz. Ihre Kinder sind ohne Zahl. Keinem ist sie überall karg,

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