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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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GEWACHSE

i. FORTPFLANZUNG UND KAMPF

DIE GEGENKRÄFTE DES LEBENS

Wenn eine alles schaffende Kraft mit segnendem Hauche überall in der michumgebenden Natur ein buntes Gewimmel von belebten Wesen wecket, wennhier unter dem Wehen ihres Fittiches Kräuter und Blumen erwachsen, dortTausende von Tieren aus dem anfänglichen Element der roten Erde hervor-gehen, so verstehet mein forschendes Auge ein solches Weben und Beginnenwohl: denn es ist die Art und das Wesen jener Urkraft, zu segnen, zu schaffenund Gedeihen zu geben.

Rätselhafter und Verwunderung erregender erscheinet jedoch eine andereForm jenes Schaffenden, in welcher mir dieses als zerstörende, auflösendeGewalt: als der Tod in tausendfältigen Gestalten, entgegentritt, welcher nichtsanderes weiß und will, als auflösen und zerstören. Das Leben, wenn es soden Segen, den es der verlangenden Natur mit der einen Hand gegeben, mitder anderen wieder hinwegnimmt, und zu der eben noch mit liebendemAuge angeblickten Schöpfung saget: ich will dich nicht, scheinet sich selberzu widersprechen oder mißzuverstehen, und selbst jene in ihrem Maße aller-dings sehr wahre Entschuldigung, daß der Tod auf der einen Seite nur dieÜberfüllung hinwegräumen müsse, welche von einer anderen das verschwen-derische Leben ausgespendet, wird für ein solches Tun und Walten jenerWeisheit, welche sich selber überall Maß und Zahl ist, nicht ausreichendgefunden.

Wenn das belebende Flüssige das Blut im vollkommneren organischenKörper durch die Arterien nach allen Punkten der Peripherie hinausgeführtworden, sehen wir dort einsaugende Enden von Venen und Lymphgefäßen,welche einer Art von Empfindlichkeit und Auswahl für die zu ihnen gehörigenSäfte fähig scheinen, seiner warten, und da wo die äußersten Enden der beidenentgegengesetzten Richtungen oder Systeme sich berühren, entsprießen dieempfindenden, hörenden, sehenden, bewegenden und bildenden Enden derVenen, durch welche das erkennende und wollende Lebenszentrum Nahrung,Wachstum und Bestehen empfängt.

Wir sehen nämlich hier, wie überall in der uns sichtbaren Natur, Kraft undLeben hervorquellen, wo die Gegensätze sich berühren, wo das Aufwärts-steigende dem Niedersinkenden begegnet, und es erwacht da, wo die elek-trischen Pole sich treffen, der lebendige Funke, wo die chemischen Gegensätzebeim Verbrennen sich vereinen, die leuchtende, wärmende Flamme, und woder flüssige Tau von oben die feste Erde benetzt, lasset diese ihre eigentüm-lichen Gebilde, Blumen und Kräuter aufgehen. Ebenso sehen wir überall da,wo der arterielle und venöse Gegensatz beim Kreislauf sich begegnen und

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