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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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-Organisation ganz nahe bin, und daß es das Einfachste ist, was nur gedachtwerden kann. Unter diesem Himmel kann man die schönsten Beobachtungenmachen. Den Hauptpunkt, wo der Keim steckt, habe ich ganz klar und zweifel-los gefunden! alles übrige seh ich auch schon im ganzen, und nur noch einigePunkte müssen bestimmter werden. Die Urpflanze wird das wunderlichste Ge-schöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit die-sem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Un-endliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auchnicht existieren, doch existieren könnten und nicht etwa malerische oder dichte-rische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Not-wendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige an-wenden lassen.

So viel aber sei hier, ferneres Verständnis vorzubereiten, kürzlich ausgesprochen:Es war mir nämlich aufgegangen, daß in demjenigen Organ der Pflanze, wel-ches wir als Blatt gewöhnlich anzusprechen pflegen, der wahre Proteus ver-borgen liege, der sich in allen Gestaltungen verstecken und offenbaren könne.Vorwärts und rückwärts ist die Pflanze immer nur Blatt, mit dem künftigenKeime so unzertrennlich vereint, daß man eins ohne das andere nicht denkendarf. Einen solchen Begriff zu fassen, zu ertragen, ihn in der Natur aufzu-finden, ist eine Aufgabe, die uns in einen peinlich süßen Zustand versetzt.(Goethe, Italienische Reise, 1816/1817.)

DIE MODERNE NATURWISSENSCHAFTDas Studium jeglicher neuen Wissenschaft, besonders einer solchen, welchedie ungemessenen Schöpfungskreise, den ganzen Weltraum umfaßt, gleichteiner Reise in ferne Länder. Ehe man sie in Gemeinschaft unternimmt, fragtman, ob sie ausführbar sei, man mißt seine eigenen Kräfte, man blickt miß-trauisch auf die Kräfte der Mitreisenden, in der vielleicht ungerechten Besorg-nis, sie möchten lästige Zögerung erregen. Die Zeit, in der wir leben, vermin-dert die Schwierigkeit des Unternehmens. Meine Zuversicht gründet sich aufden glänzenden Zustand der Naturwissenschaften selbst, deren Reichtum nichtmehr die Fülle, sondern die Verkettung des Beobachteten ist. Die allgemeinenResultate, die jedem gebildeten Verstände Interesse einflößen, haben sich seitdem Ende des 18. Jahrhunderts wundervoll vermehrt. Die Tatsachen stehenminder vereinzelt da, die Klüfte zwischen den Wesen werden ausgefüllt. Wasin einem engeren Gesichtskreise, in unserer Nähe, dem forschenden Geistelange unerklärlich blieb, wird oft durch die Beobachtungen aufgehellt, die aufeiner Wanderung in die entlegensten Regionen angestellt worden sind. Pflan-zen- und Tiergebilde, die solange isoliert erschienen, reihen sich durch neuent-deckte Mittelglieder oder durch Übergangsformen aneinander. Eine allgemeineVerkettung, nicht in einfacher linearer Richtung, sondern in netzartig ver-schlungenem Gewebe, nach höherer Ausbildung oder Verkümmerung gewisserOrgane, nach vielseitigem Schwanken in der relativen Übermacht der Teile,stellt sich allmählich dem forschenden Natursinn dar. Schichtungsverhält-nisse von trachytartigem Syenitporphyr, von Grünstein und Serpentin, die imgold- und silberreichen Ungarn, die im Platinlande des Urals oder tiefer in

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