des Gehens genug haben, unter den nächsten Baum uns hinsetzen und ein-ander ofenherzig und unbefangen erzählen, was jeder von ihr gesehen und ge-hört hat oder gesehen zu haben glaubt: und ja nicht böse darüber werden, wennsichs von ungefähr entdeckt, daß wir falsch gesehen oder gehört oder gar eineWolke für die Göttin umarmt haben. ,-._,,. n/r ■
Vor allem aber, lieben Brüder, hüten wir uns vor der Torheit, unsere Mei-nungen für Axiome und unumstößliche Wahrheiten anzusehen und anderenals solche vorzutragen. Es ist ein widerlicher harter Ton um den Ton der Un-fehlbarkeit aber es gibt einen, der noch unausstehlicher ist - der Ton einesEnergumenen der, auf dem heiligen Dreifuße sitzend, alle seine Reden alsGöttersp'ücne'von 'sich gibt. Bescheidenheit würde uns vor dem einen und vor
jLtSÄ^ wäre, wie Nestor, und so weis, wie^benmalsieben Weise zusammen genommen, so müßte er doch - -ebend«lso alt und so weise wäre - einsehen gelernt haben, daß man immer wenigervonInDingen begreift, je mehr man davon weiß: daß gegen eine lichte Stelle,rwn- in der unermeßlichen Nacht der Natur erblicken, zehntausend in Däm-merung und zehnmal tausend im Dunkeln vor uns liegen, und daß, wenn wuns auch von diesem Erdklümpchen, das uns ein ungeheures Weltall scheint,bis zur Sonne aufschwingen und in ihrem Lichte dies ganze P^net-ystemmit allem seinem Inhalt und Zubehör so deutlich übersehen konnten, w«jemand von der Spitze einer Terrasse seinen Garten übersieht, di , n«nWhePlanetensystem nun abermal nichts mehr für uns wäre, als eine lichte bleuein der unermeßlichen Nacht der Natur. (Wieland, um 1785O
BLICK IN DIE EINHEITHeute früh ging ich mit dem festen, ruhigen Vorsatz, ^J***^Träume fortzusetzen, nach dem öffentlichen Garten, allein ehe ich micns verLh Erhaschte mich ein anderes Gespenst, das mir schon diese Tage nachge-ht Dl vielen Pflanzen, die ich sonst nur in Kübeln un Topfe^die erößte Zeit des Jahres nur hinter Glasfenstern zu sehen gewohnt war, stehenh er roh und frisch unter freiem Himmel, und indem sie ihre Bestimmung voll-kommen -füllen, werden sie uns deutlicher. Im Angesicht: jo v.ler^ «-.und erneuten Gebildes fiel mir die alte Grille wieder ein, ob ich nicht unterTeser Schar die Urpflanze entdecken könnte. Eine solche muß es denn dochgbenl Woran würd'e ich sonst erkennen, daß dieses oder jenes Gebilde einePHanze sei wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet waren?fch bemühte mich, zu untersuchen, worin denn die vielen abweichenden Ge-alten vonlTnde'r unterschieden seien. Und ^ fand^ = r neu-lich als verschieden, und wollte ich meine botanische Te / minol ° gie ^ b " n a g ß e ":so ging das wohl, aber es fruchtete nicht, es machte mich unruhig ohne daߣmir weiter half. Gestört war mein guter poetischer Vorsatz, ^^' War um s fndXlkinous war verschwunden, ein Weltgarten hatte sich aufgetan. Warum sindwir Neueren doch so zerstreut, warum gereizt zu Forderungen, die wir nicht er-reichen noch erfüllen können — IFerner muß ich dir vertrauen, daß ich dem Geheimnis der Pflanzenzeugung und
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