nichts, der Teufel erfindet nichts, Gott ist es allein, der uns alles durch das Lichtder Natur offenbart." .
Paracelsus denkt sich die ganze Welt entstanden aus einem von Gott ge-schaffenen Urstoffe, welcher, selbst formlos und unbestimmt, die Keime allerGeschöpfe ebenso umfaßte, wie das Ei die Keime des Tieres oder das Samen-korn die Keime der Pflanze. Er nennt diesen Stoff den großen Limbus. Zuersttrennten sich die Elemente, die im Limbus vermischt waren. Das Feuer wardzum Himmel (heiß und trocken), die Luft zur Leere (heiß und feucht) dasWasser zur Flüssigkeit (kalt und naß), die Erde zum Erdball (kalt und trocken).Die hier bezeichneten Elemente führt Paracelsus anderweitig auf drei andere,ursprünglichere Elemente zurück, die er Sal, Sulphur, Mercurius nennt. Siespiegeln sich ab in unserem Salze, Schwefel und Quecksilber und sind der all-gemeine Grund der Festigkeit, des Flüssigen und Verbrennhchen. Der Schei-dung der Elemente folgte aber eine andere. Der Himmel teilte sich in dasFirmament und in die Sterne und Planeten, die Luft in ihre verschiedenenKräfte und Bewohner, das Wasser in Fische, Nymphen, Salze und so weiter dieErde in Gewächse, Steine, Tiere und Menschen. Dieser zweiten Scheidungwird endlich eine dritte und letzte folgen, durch welche alles Vergänglichewieder zu dem Ewigen, aus dem es geworden, zurückkehrt. Als Hauptunter-schiede treten sich in der Anschauung des Paracelsus gegenüber: der ™™ melmit den Gestirnen, die Erde mit den Steinen, Pflanzen und Tieren, und dannder Mensch. Wie alle diese verschiedenen Gestalten der Welt aus demselbenStoffe entstanden, so unterscheiden sie sich auch nur durch die Art ihrer Zu-sammensetzung. In allen ist dasselbe enthalten, es sind Glieder eines Leibes,in denen nur dieser oder jener Stoff überwiegt. - Von der Beziehung der
Pflanzen zu den Gestirnen heißt es: Jedes Gewächs ist nichts, als ein irdischerStern und jeder Stern nichts anderes, als ein spiritualistisch gewachsenes Kraut,dem ein Kraut auf der Erde zu vergleichen ist, ebenso wie bei einer Destillationdes Wermuts Blätter, Wurzeln und alles Materielle davon geschieden wirdder Spiritus aber doch die Form und das Bild des Krautes enthält, also sind auchdie Sterne im Himmel Modelle, Formen, Matrices der Gewächse, so daß jederStern durch seine anziehenden Kräfte das ihm gleiche Kraut aus der Erdeherauszieht. Wüßte man genau dies Verhältnis der Sterne zu den Gewachsenso würde man sagen: Dieser Stern heißt Stella Rosmarini, dieser Absinth» undso weiter Dadurch würde ein Herbarium entstehen, welches edler als Gold,Silber und Edelstein wäre. - Besonders hat nun aber der Mensch ahe ver-schiedenen Formen der ganzen Welt in sich; er ist im vollsten Sinne Mikro-kosmus, weil er nach Gottes Bilde geschaffen ist. „Wie die große Welt ausdem Limbus gemacht und nach allen Kreaturen der Mensch, so ist nichts inder großen Welt, was nicht in ihm zusammengefaßt ware^ Daher hat derMensch das Wissen der Engel und Geister und erlangt alle Kunst der übrigenGeschöpfe; denn er hat es von ihnen geerbt. So trägt er also das Ebenbild unddie Eigenschaften aller vor ihm geschaffenen Tiere an sich. Aller Tiere Ver-nunft zusammen ist daher Eines Menschen Vernunft, und Eines MenschenVernunft ist aller Tiere Vernunft. Daher ist der Mensch das höchste Tier;denn die einzelnen Tiere haben nicht die ganze tierische Natur. Obwohl aber
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Wolters, Der Deutsche. V, 2. 353