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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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KOLUMBUS

Wir müssen vor allem der Naturschilderungen gedenken, die wir von Kolumbusselbst besitzen. Erst seit kurzem kennen wir sein eigenes Schiffsjournal, seineBriefe an den Schatzmeister Sanchez, an die Amme des Infanten Don Juan,Frau Juana de la Torre, und an die Königin Isabella. Ich habe schon an einemanderen Orte zu zeigen gesucht, mit welchem tiefen Naturgefühle der großeEntdecker begabt war, wie er das Erdenleben und den neuen Himmel, die sichseinem Blicke offenbarten, mit einer Schönheit und Einfachheit des Aus-drucks beschrieb, die nur diejenigen ganz zu schätzen vermögen, welche mitder alten Kraft der Sprache jener Zeit vertraut sind.

Die physiognomische Gestaltung der Pflanzen, das undurchdringliche Dickichtder Wälder,in denen man kaum unterscheiden kann, welche Blüten undBlätter jedem Stamme zugehören," die wilde Üppigkeit des krautbedecktenBodens der feuchten Ufer, die rosenfarbigen Flamingos, welche fischend schonam frühen Morgen die Mündung der Flüsse beleben, beschäftigten den altenSeemann, als er längst den Küsten von Kuba, zwischen den kleinen lucayischenInseln und den Jardinillos hinfuhr. Jedes neu entdeckte Land scheint ihmnoch schöner, als das früher beschriebene, er beklagt, nicht Worte zu finden,um die süßen Eindrücke wiederzugeben, die er empfangen. Mit der Kräuter-kunde völlig unbekannt, wenngleich durch Einfluß arabischer und jüdischerÄrzte sich damals schon einige oberflächliche Kenntnis der Gewächse inSpanien verbreitet hatte, treibt das einfache Naturgefühl den Entdecker an,alles Fremdartige einzeln aufzufassen. Er unterscheidet in Kuba schon siebenoder acht verschiedene Palmenarten, die schöner und höher als die Dattel-palme sind, er meldet seinem geistreichen Freunde Anghiera, daß er in der-selben Ebene Tannen und Palmen zusammengruppiert, palmeta und pinetawundervoll gemengt gesehen, er betrachtet die Vegetation mit solchem Scharf-blick, daß er zuerst bemerkt, es gebe in Cibao auf den Bergen Pinien, derenFrüchte nicht Tannenzapfen sind, sondern Beeren, wie die Oliven des Axarafede Sevilla.

Die Anmut dieses neuen Landes", sagt der Entdecker,steht hoch über derder campina de Cordoba. Alle Bäume glänzen von immergrünem Laube undsind ewig mit Früchten beladen. Auf dem Boden stehen die Kräuter hoch undblühend. Die Lüfte sind lau wie im April in Castilien, es singt die Nachtigallsüßer, als man es beschreiben kann. Bei Nacht singen wieder süß andere,kleinere Vögel, auch höre ich unseren Grashüpfer und die Frösche. Einmalkam ich in eine tief eingeschlossene Hafenbucht und sah, was kein Auge ge-sehen: hohes Gebirge, von dem lieblich die Wasser (lindas aguas) herab-strömen. Das Gebirge war bedeckt mit Tannen und anderen vielfach gestal-teten, mit schönen Blüten geschmückten Bäumen. Den Strom hinaufsteuernd,der in die Bucht mündete, war ich erstaunt über die kühlen Schatten, die kristall-klaren Wasser und die Zahl der Singvögel. Es war mir, als möchte ich so einenOrt nie verlassen, als könnten tausend Zungen dies alles nicht wiedergeben,als weigere sich die verzauberte Hand, es niederzuschreiben." (Alexander vonHumboldt, Kosmos, 1845/1850.)

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