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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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reits Landkarten, künstliche Himmelskugeln und Sonnenuhren. Anaximenesverglich die Erde mit einer runden Tischplatte, welche durch ihre Breite dieuntere dicke Luft in der Himmelskugel zusammendrücke, die alsdann durchihre Erschütterungen die Erdbeben verursache. Anaxagoras hing der näm-lichen Meinung an. Nach ihm hätten sich die Gestirne anfangs gerade in demHimmelsgewölbe herumgedreht, so daß der Pol gerade über der Erde, im Schei-telpunkte, gewesen sei, erst später hätten sie schiefe Richtung bekommen.Noch andere, zum Beispiel Leukipp, stellten die Erde als einen oben platten,unten gewölbten Körper dar, ungefähr wie eine Pauke. Kleantes verglich siemit einer unterwärts gekehrten Pyramide.

Pythagoras soll indessen schon die Lehre von der Kugelgestalt der Erde auf-gestellt haben; einige seiner Schüler hingen wenigstens dieser Meinung an undbildeten sie weiter aus. Auch daß die Sonne und andere Weltkörper Kugelnseien, wurde von der pythagoräischen Schule gelehrt. Man sprach jetzt schonvon Bewohnern der entgegengesetzten Seite der Erdkugel, von Gegenfüßlern,und behauptete sogar eine Umdrehung der Erde um ihre Achse, wodurch dieErscheinung des sich umdrehenden Himmels hervorgebracht würde. Aristarchvon Samos wagte endlich die Behauptung, daß die Sonne stillstehe und dieErde sich um sie bewege.

Diese neue Lehre fand jedoch wenig Anhänger und man spöttelte nicht wenigüber die wunderlichen Gegenfüßler, die die Füße oben und die Köpfe untenhätten, wie die Fliegen, die an der Decke eines Zimmers herumlaufen. Im all-gemeinen blieb der große Haufe bei der alten Vorstellungsart von der scheiben-förmigen Erdfläche, und wenn auch in späteren Zeiten die Kugelgestalt derErde nicht mehr so geradehin bestritten wurde, so wollte man doch durchausdie Bewegung der Erde um ihre Achse oder gar um die Sonne nicht zugeben.Man hielt fortwährend dafür, daß die Sonne nebst den Gestirnen um die Erdeherumgehe. Mit den Schiffen in den Ozean fahren, hieß ebensoviel, als aus derWelt hinausfahren, an den Gestaden des abendländischen Meeres wollte mandas Geprassel und Zischen des in das Wasser hinabsinkenden feurigen Sonnen-balles gehört haben. Die Mazedonier jammerten, daß Alexander sie jenseitsder Gestirne und der Sonne in die ewige Nacht des Ozeans mit unbeweglicherFlut führen wolle. Als Drusus mit seinem Heere sich aus dem Rheine hinausin die Nordsee wagte, glaubten die Soldaten, die Sonne schon hinter sich zusehen. Andere hielten die Hitze an der Nordküste Germaniens wegen derNähe der dort nach Osten herumgehenden Sonne für so groß, daß die Fichtendadurch fortdauernd Harz ausschwitzten, welches dann in den Ozean falle,sich hier verhärte und nun unter der Gestalt des Bernsteins von den Wellenwieder ans Land gespült werde.

Unter den Gelehrten nahm jedoch in den Jahrhunderten nach Christi Geburtbei zunehmenden astronomischen Kenntnissen die Meinung von der Kugelge-stalt der Erde immer mehr die Oberhand, obschon die christlichen Astronomensie nicht immer öffentlich behaupten durften. Der Bischof von Salzburg Virgil,zum Beispiel, der im achten Jahrhunderte lebte und ein Anhänger jener Lehrewar, wurde auf Befehl des Papstes Zacharias seines Bistums entsetzt. (JohannGottfried Sommer, Gemälde der physischen Welt, 1826/1831.)

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