Gegensatz zur weltlichen in Neuburg. In Neuburg beherrscht das Schloß dieHauptstraße, die Stadt fügte sich demselben an, in Dillingen steht das aus äl-terer Zeit stammende Schloß zur Seite, den Glanzpunkt der Hauptstraße bildetdie stattliche Gruppe der akademischen Gebäude. Wie trefflich passen sie in diestille, große Straße, deren Anlage wohl Augsburgs Vorbild beeinflußte, wiestimmen zu ihnen die behäbigen Häuser des 17. Jahrhunderts, in denen diebischöfliche Administration untergebracht war, die Domherren, Professorenund einige Adelige wohnten, und die, wie manche Veränderungen des 18. und19., auch des 20. Jahrhunderts zeigen, stets sorgfältig gepflegt, von einer aristo-kratischen, in sich abgeschlossenen Existenz zeugen.
Da von den akademischen Gebäuden des 16. Jahrhunderts nichts mehr vor-handen, ist das älteste das Klerikalseminar. Der Hof desselben, den auf derOst- und Nordseite zwei stattliche Flügel mit Pfeilerarkaden im Erdgeschoß,beim Nordflügel auch in den beiden Obergeschossen begrenzen, wurde 1603gebaut. 1618—1621, ebenfalls unter Bischof Heinrich von Knörringen, folgtedann der einfache, aber in guten Verhältnissen angeführte Flügel gegen dieStraße zu mit dem runden Erker am Südosteck. Hier schließt sich mit starkemZurückspringen, das die Baulinie günstig belebt, das 1688—1689 unter BischofJohann Christoph von Freiberg ausgeführte Universitätsgebäude an. DieRäume desselben dienen heute zu den Vorträgen des Lyzeums, und in einigenHörsälen haben sich noch die hübschen Katheder des 17. Jahrhunderts er-halten. Mit den beiden Portalen, der kräftigen Umrahmung der Fenster setztsich dieser ausgesprochene Barockbau, dessen Obergeschoß bei dem Umbaudes goldenen Saales (1761—1764) etwas verändert wurde, gut gegen denschlichten Seminarbau ab. Das erst 1736—1738 gebaute Jesuitenkollegiumzwischen der Universität und der Kirche wurde mit Rücksicht auf die einheit-liche Wirkung der ganzen Gruppe geschickt zu dem Universitätsgebäude ge-stimmt.
Den Abschluß dieser akademischen Bauten bildet die südliche Langseite der1610—1617 durch Meister Hans Alberthal, einen Graubündener, ausgeführtenJesuitenkirche. Ihre Gliederung durch toskanische Pilaster, die vom Sockelbis zum breiten Kranzgesims reichen, ist charakteristisch für das Streben nachgroßer, einheitlicher Wirkung, das unter starkem Druck der italienischen Kunstallmählich zu absoluter Herrschaft gelangt war. In der großartigen Jesuiten-kirche St. Michael in München (1583—1597) feierte diese Richtung einen ihrerersten und höchsten Triumphe in Deutschland. Im Innenraum von St. Michaelist der Stil vollkommen geklärt, im Äußeren dagegen noch etwas unsicher.Gerade das selbständige Suchen nach einer entsprechenden Fassadenlösungist aber doch entschieden anziehender als das Äußere der Dillinger Kirche, dasbereits eine festgeschlossene Schultradition zeigt, die aber auch schon stark anSchablone streift und bei dem Versuch, die Giebelseite etwas originell zu be-handeln, gänzlich Schiffbruch leidet.
Die Bedeutung der Dillinger Jesuitenkirche liegt in dem stattlichen Raum desInnern. Von St. Michael in München beeinflußt, läßt er, wenn auch durchdie Ausstattung des 18. Jahrhunderts in seiner Wirkung stark verändert, dochnoch klar die Absichten des ursprünglichen Baues erkennen, ja, sie werden
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