Und bei alledem sind diese unvergleichlichen Vorzüge der Lage dem Blick desflüchtigen Reisenden ebenso versteckt, als helleuchtend dem schärferen Be-obachter — ein Zug, der uns bei unserer schwäbischen Reichsstadt von vorn-herein recht schwäbisch anmutet; denn die Schwaben sind ja überhaupt in derRegel viel gescheiter, als sie aussehen. (W. H. Riehl, Augsburger Studien, 1857.)
DIE GEISTLICHE STADT DILLINGEN
Dillingen gewann im 16. Jahrhundert neue, größere Bedeutung dadurch, daßlange in ihm die Augsburger Bischöfe residierten, die die Verwaltung des Hoch-stiftes Augsburg hierher verlegten und die großen Bildungsanstalten derDiözese gründeten. Diese Saat des 16. Jahrhunderts gedieh im 17., das fürdiese Anstalten große neue Gebäude aufführte, wodurch Dillingens Charakterals der einer „geistlichen Stadt" bis zum heutigen Tage bestimmt wurde. Eserinnert dadurch in manchem an Eichstätt und Freising, unterscheidet sich aberdoch wesentlich von ihnen, denn jenes sind alte Bischofstädte, vor allem in-teressant als wichtigste Träger christlicher Kunst seit dem frühen Mittelalter;Dillingen dagegen bietet nur das Bild einer bischöflichen zweiten Residenz des16., namentlich des 17. Jahrhunderts, allerdings von ganz eigenartiger Be-deutung.
Das Schloß, das als Wohnsitz der Bischöfe der Baugeschichte der Stadt voran-geht, weist in das Mittelalter zurück, gehört in seinem Hauptbestand dem16. Jahrhundert, namentlich dessen Spätzeit an. Vom Stadtberg aus aberbetreten wir die Vorbauten des Schlosses durch ein 1607 vollendetes Tor mitdem Wappen Bischof Heinrichs von Knöringen, eines Hauptförderers derbischöflichen Bildungsanstalten Dillingens. Der Spätzeit des Jahrhundertsaber gehört der Schmuck der Hofkapelle im Nordflügel des Schlosses an. 1686unter Bischof Johann Christoph von Freiberg ausgeführt, besitzt sie tüchtigeStukkaturen der Wessobrunner Schule, einen stattlichen Barockaltar und einhübsches schmiedeeisernes Gitter mit dem Wappen jenes Bischofs.Das Schloß wurde im 17. Jahrhundert nur vollendet, die Stadt dagegen neugebaut. Es entstanden Monumentalbauten für die Bildungs- und Wohltätig-keitsanstalten, für die Verwaltung des Hochstiftes, stattliche Wohnhäuser fürdie Beamten, die Domherren und den Adel. Im Stadtbild erinnert daran schonder Turm der Jesuitenkirche und zwei Türme der Stadtbefestigung vom An-fang und Ende des Jahrhunderts, nämlich der Wasserturm von 1602 und dasmittlere Tor, der Abschluß der Hauptstraße, von 1700. Beide sind in ihrenGrundzügen immer noch mittelalterlich. Der Wasserturm durch seinen ge-treppten Giebel und die spitz auslaufenden Wandstreifen an demselben, dasmittlere Tor durch den vierseitigen Unter- und den achtseitigen Oberbau, wäh-rend die Pilaster an dessen Ecken, das geschweifte Dach und das leichteGlockentürmchen auf demselben die Änderung des Geschmacks verraten, diesich selbst da nicht verleugnen läßt, wo man im Kern an den liebgewordenenalten Formen so zähe festhält.
Vor allem führt uns aber in das 17. Jahrhundert die stattliche Hauptstraßezurück, die zugleich so charakteristisch ist für die geistliche Residenz im
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