sogar durch den Gegensatz zu dem heiteren Glanz der Rokokodekoration inihrer Eigenart erst recht scharf beleuchtet.
Feierlich ernster, großer Wirkung war hier alles untergeordnet, in diesemGrundsatz ähnlich dem Äußeren, aber weit bedeutender. Für den Charakterdes Baues maßgebend ist die einschiffige Anlage mit den Seitenkapellen, daseinheitliche Tonnengewölbe, welches Schiff und Chor überspannt, an das sichdie Tonnen der Seitenkapellen mit Stichkappen anschließen, die hohen Pilastermit ihren reichen korinthischen Kapitalen, das starke Gebälk auf diesen, vondem die Quergurten ausgehen.
Dieser großzügige Stil, der das Detail ganz unterordnet, daher meist mit ein-facher Wiederholung desselben zufrieden ist, steht in scharfem Gegensatz zurdeutschen Frührenaissance, in welcher der germanische Phantasiereichtummittelalterlicher Kunst oft noch so stark nachwirkt, nicht minder zu demprunkvollen Barock, der ihm folgt, zu dem glänzenden Rokoko, das diesen ab-löst und in der Mitte des 18. Jahrhunderts die ernsten Räume der Jesuiten-kirche so heiter festlich umgestaltete.--------
Am meisten fesseln Dillingens Monumentalbauten, vor allem die akademischeGruppe als der Höhepunkt des Bildes der geistlichen Residenz des 17. Jahr-hunderts. Neben den letzten Bauten am bischöflichen Schloß erscheint diesesGanze, die großen Bildungs-und Wohltätigkeitsanstalten, als der eigentlicheLebensnerv der Stadt, deren Mauern jetzt neue Türme schmückten und derenStraßen damals ihr charakteristisches Gepräge erhielten. Die bedeutendstender zum Teil recht stattlichen Häuser, die der Straße meist den breiten, in Stock-werke gegliederten stolzen Giebel zuwenden, waren im Besitze der Hofkammer,von Hofbediensteten, von Angehörigen der Universität oder von Adeligen, wieder Grafen von Stauffenberg, Schenk von Kastell, Fugger, der Freiherren vonSchenk, Stein, Reichlin und anderer mehr. 1597 erbaute, laut Wappen undJahreszahl, Bischof Otto von Gemmingen das fürstliche Rentamt, und dasDomdekanhaus mit seinem stattlichen Rundturm entstand nach Inschrift imunteren Hausgang 1610 durch Domdekan H. Stör von Ostrach. Ein besondersstattlicher, mit seinen polygonen Erkern fast burgartiger Bau ist die obereApotheke, der treffliche Abschluß der Hauptstraße beim Seminarbau. Nebenden polygonen Erkern, die sich mehrfach, wie zum Beispiel auch am Gasthauszum Stern finden, treffen wir auch die in Augsburg so beliebten rechteckigenErker. Kleine Varianten bringen frisches Leben in die einfachen Motive undverleihen selbst dem schlichten Bau einen gewissen persönlichen Reiz; vorallem aber tut dies die Zeit, die leise, aber unbeugsam die Formen ändert, diefesten Linien des zuerst so steilen Giebels weicher führt, die Giebelvoluten soverschieden rollt, Eckpilaster und Pilaster an den Giebeln einführt und selbstdie einfache Haustüre charakteristisch umgestaltet. (Berthold Riehl, BayernsDonautal, 1912.)
23 Wolters, Der Deutsche. V, 2.
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