niederem Wasser ein lächerliches, bei hohem ein gefährliches Spiel sein. WennKaiser Sigismund den Augsburgern das Privilegium der freien Lechschiffahrtverlieh, so klingt dies fast wie eine Satire. Und da dieser Kaiser neben anderenGnaden der Stadt auch das Recht des Torzolles verbriefte, so nimmt es sich fastwie ein guter Witz aus, daß die Augsburger sein Steinbild als des kaiserlichenTorzöllners unter der Torhalle des Jakoberturmes, also am Lechtor, einge-mauert haben, wo es heute noch zu sehen ist.
Nicht einmal die früher öfters versuchte freie Holztriftung, die sich auf der Isarals ein wunderlicher Rest mittelalterlich resoluter Transportweise (etwa zwan-zig Prozent des Holzes verkommen dabei) bis auf diesen Tag erhalten hat, ver-mochte auf dem Lech zu bestehen. Doch kann man noch immer in einer fürHandwerksbursche und Volksnaturforscher recht empfehlenswerten Weiseper Lechfloß in 10 bis 14 Tagen von Augsburg direkt nach Wien fahren. Einsolches kleines Lechfloß ist das einzige Handelsfahrzeug der Augsburger zuWasser. Um so tiefer mag man den Hut ziehen vor jenen alten AugsburgischenKaufleuten, die im 16. Jahrhundert Schiffe nach Ostindien rüsteten und diesesGeschäft glorreich zu Ende führten mit 175 Prozent Gewinn.Als vor hundert Jahren Macht und Reichtum der Stadt unaufhaltsam zerrann,schob man diesen Unstern auf die geographische Lage, die eben keine rechteHandelslage mehr sei. Denn Städte und Völker wie der Einzelne suchen dieUrsache ihres Mißgeschicks immer lieber außer sich, als in sich. Allein dieHandelsbedeutung Augsburgs war immer nur hervorgewachsen aus der ge-werblichen. Der Beweis steht auf der Landkarte geschrieben. Auch in denGeschichtsbüchern. Erst als das Augsburgische Gewerbe im vierzehnten Jahr-hundert aufblüht, kann sich der Platz neben so viele echte Handelsstädte desrheinischen Bundes und der Hansa stellen, deren Handelsmacht bis dahindie seinige weit übertroffen. Ebenso gewinnt Augsburg nach dem Dreißig-jährigen Kriege noch einmal eine Nachblüte des Reichtums auf Grund seinesGewerbfleißes, der bloße Handel würde ihm so wenig wie heutzutage dazu ver-holfen haben. In der alten Augsburger Zunftverfassung nehmen zwar dieKaufleute den ersten Rang ein, die Weber den zweiten, der Natur der Dingenach hätten aber die Weber voran gehört, wie auch aus ihrer Zunft das mäch-tigste Kaufmannsgeschlecht der Reichsstadt und das glänzendste im ganzenReiche hervorgegangen ist. In der geographischen Lage der Stadt ist ausge-sprochen, daß Handelsmacht möglich war, Gewerbsblüte aber notwendig. —Wir haben also in Augsburg den letzten großen städtischen Vorposten des hoch-gebirgischen Oberdeutschlands gegen Mitteldeutschland, die Burg der Lech-Donaulinie, die beherrschende Fabrikmetropole des ganzen oberen Donau-landes, den notwendigen Straßenmittelpunkt zwischen der Donau und denAlpen, sowohl in Zeiten, wo man nach Art der Römer Straßen anlegte zurFesselung des Landes, wie in der unserigen, wo die Straßen das Land freimachen. Kein Wunder, daß bei solcher Originalität der Lage die alten Augs-burger meinten, ihr Stadtbann müsse mindestens schon gleich nach der Sünd-flut zu einer bedeutenden Siedlung ersehen worden sein und „wenn nicht dieAborigines oder Japhetskinder, so seien doch zum wenigsten die Amazonendie ersten Bewohner des Platzes gewesen".
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