mit dem Hauptflusse parallel, oft kaum auf einen Büchsenschuß Abstand,durchkreuzen und verwirren sich und bilden so wieder neue Bäche.Ähnlich ist es auf der Wertachseite mit der Singold und ihrer Bachfamilie.Sie rinnt von Schwabmünchen bis Augsburg beiläufig eine Viertelstunde seitabder Wertach in getreuer, nachbarlicher Begleitung, sendet derselben sechsAbzweigungen zu, ergänzt sich aber doch immer wieder durch neue Quellen,und fließt sogar — nach der Volksmeinung — bei Göggingen quer durch dieWertach hindurch, um auf der anderen Seite abermals eine kleine Streckeneben derselben parallel zu laufen.
So absonderliche Flüsse verdienten also schon wegen der Originalität ihrerLinien eine Statue zu Füßen des Kaisers Augustus. Aber sie machten sichauch noch durch andere weit dankbarere Originalität bemerkbar. Im Mittel-alter war Augsburg berühmt wegen seines Reichtums an Fischen, namentlichan Forellen dieser quellenklaren Bäche. Bis 1643 bezogen viele städtischeBeamte einen Teil ihres Gehaltes an Forellen. Bei solcher Fülle frischer ein-heimischer Fische war man — nebenbei bemerkt — etwas mißtrauisch gegendie Seefische. Allzu alte Heringe galten hier bis ins fünfzehnte Jahrhundertfür pesterregend, und wo solche betroffen wurden, ließ man sie durch Henkers-hand verbrennen.
Gewiß ist keine in der Ebene gelegene deutsche Stadt so reich wie Augsburg antrefflichen Brunnen und Quellen, und dieser Reichtum hängt mit dem wunder-lichen Wassersystem von Singold und Brunnenbach eng zusammen. In den letzt-vergangenen Jahrhunderten war es der besondere Stolz des Augsburger Bür-gers, daß seine Stadt vor allen Städten des Reichs die größte Fülle von Brunnenbesitze und daß in fast jedes reichere Haus fortwährend reines Wasser zu-ströme. Noch jetzt gehören die vielen prunkhaften, oft mit schönen kleinenMetallfiguren geschmückten Brunnen im Innern der Höfe zu den anziehendstenhäuslichen Altertümern der Stadt, wie an den großen drei Brunnen der Maxi-milianstraße die monumentale Plastik ihr Bestes versucht und geleistet hat,und die kunstreichen Wasserwerke und Brunnentürme als eine rechte Stadt-merkwürdigkeit noch immer den Fremden gezeigt werden. Wo wir auf demBoden einer recht uralten Stadtsiedlung stehen, da werden in der Regel auchreiche Trinkwasserquellen sprudeln, und wie die alte Augusta Vindelicorumdie brunnenreichste deutsche Stadt ist, so meine ich ein köstlicheres Wasser niegetrunken zu haben, als welches in Ingelheim angesichts des letzten Trümmer-restes der Kaiserpfalz Karls des Großen aus einem mächtigen vielarmigenRöhrbrunnen springt.
Aber nicht nur Trinkwasser ergoß sich aus jenen Quellen und Bächen nachAugsburg, im Verein mit den Lech- und Wertachkanälen treiben sie ein viel-verzweigtes Aderngeflecht des mächtigsten Gefälles durch die Stadt und derenBann und gaben ihr seit Jahrhunderten den Beruf zum Großgewerbe. FriedrichList pflegte zu sagen, die Stadt Augsburg allein habe mehr natürliches Wasser-gefälle, als alle englischen Fabrikbezirke zusammengenommen. Als vor et-lichen Jahren ein unerhörter Wassermangel die Augsburger Fabriken be-lästigte, ward der Schaden, trotz der bei den meisten großen Werken befind-lichen Dampfmaschinen, sofort auf enorme Summen berechnet, und die
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