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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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Lumpen unter niedrigen ärmlichen Zelten, gleich Hundehütten. Sie tragenheilige Legenden vor, Männer und Frauen sind lauschend um sie gekauert. Anzwei anderen Stellen des Gartens, auf Marmorerhebungen unter Bäumen, einegroße Menge Volk um Prediger malerisch gelagert: Die Bergpredigt? DasLeben ist hier Religion. (Melchior Lechter, Tagebuch der Indischen Reise, 1912.)

PYRAMIDEN

Wir waren entzückt durch eine der herrlichsten, wenigstens gewiß eigentüm-lichsten Aussichten auf der Erde, obgleich sie nur in wenig große Massen zer-fällt. Die rosarot gefärbte Wüste mit mehr als vierzehn großen Pyramiden,nämlich denen von Dschisch selbst, denen von Abusir, Sakkara und Daschfur,meistens in der eben günstigsten Entfernung gesehen, ist nicht der wenigstanziehende Gegenstand dieser erhabnen Dreieinigkeit von Weltstadt, Grün-land und Sandmeer. Wir bemerkten übrigens, daß seit vier Jahren ein großesStück der Wüste nach den Pyramiden zu kultuviert worden sein muß, was manauch an der Farbe des Bodens deutlich unterscheiden konnte, da das neueAckerland unter dem Grün noch sandig und hell aussah, während das alte nurtiefschwarze Erde zeigte. So wird die moderne Kultur bald wieder frischeFluren und Gärten bis dicht an die alten Denkmäler ziehen, wie es ohne Zweifelin der Zeit ihrer Blüte ebenfalls stattfand; denn obgleich die alten Ägypter dieNekropolis immer gern am Saume der Wüste in schöner Symbolik anlegten, soglaube ich doch nicht, daß sie sie je absichtlich mitten im Sande aufführten.Die Wüste hat natürlich jene ihr zunächst liegenden Monumente, beim Unter-gang der Zivilisation, auch zuerst umschlungen, wie gleichfalls die Gräber derKalifen bei Kahira jetzt in der Wüste stehen, obgleich wir es von diesen genauwissen, daß sie bei ihrer Gründung auf allen Seiten von reichen Gärten undOrangenhainen umgeben waren. Einer so sinnigen und weit vorgerücktenNation, als die Ägypter waren, darf man nichts so Absurdes beimessen, als esgewesen sein würde, ihre erhabensten Monumente, die Gräber, bei allen ihrenStädten so fern mitten in der Wüste aufzubauen, als sie zum Teil jetzt erschei-nen. Jene Denkmäler wurden vielmehr, als echte Bilder des Todes, gerade andas Ende des grünen Lebens gestellt, und nur jenseits begann die geheimnis-volle, unabsehbare, unbekannte Öde. (Fürst Pückler, Aus Mehemed Alis Reich,1844.)

KATAKOMBEN

So hat mich denn in Neapel nichts so tief bewegt, als der Eintritt in die Kata-komben und der Eintritt in Pompeji. Beide so nahe beieinander sind ganz un-schätzbare Denkmäler der menschlichen Geschichte, beide liegen im Schoß derErde, und wahrlich kann man die Katakomben das Pompeji des Christentumsnennen. Beide erschließen uns den tiefsten Blick in zwei große Perioden derMenschheit, ihr Widerspruch kann nicht greller sein. Sehen wir dort die nunauch leichenhaft und grausig öden Wohnungen des Heidentums, so lacht unsdoch aus Haus und Säulentempel wie von den bemalten Wänden der lebens-heitere Menschensinn entgegen, der sich mit den Formen des anmutig Schönen

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