In Blumentöpfen sahen wir Batnbusen, deren Stengel zwei bis drei Fuß hoch,aber von unten bis oben spiralförmig gewunden waren. An großen Plätzen be-fanden sich in diesen Gärten die Lycheesbäume, Pisange, Averrhoa Carambolaund verschiedene Palmen, an deren Stämmen die Epidendra gezogen werden.In den Teichen dieser Gärten, welche zuweilen sehr groß waren, wurden sehrschöne Fische gezogen. Die Stühle in den Lusthäusern der Gärten sind meistensvon einer schlechten Sorte Porzellan, oder sie sind durch große flache Steinegebildet, welche auf einem hölzernen Gestelle liegen und durch ihre Kälte, imSommer wenigstens, sehr angenehm zu gebrauchen sein müssen, wenn mandaran gewöhnt ist. (F. J. F. Meyen, Reise um die Erde, 1834/1835.)
INDISCHER TEMPELGARTEN
Der Mittelpunkt der engen malerischen Stadt und ihres Lebens ist der goldeneTempel im „See der Unsterblichkeit": Amritsar. Du steigst auf Stufen zu ihmhinunter, nachdem du oben im Atrium des Vorhofes die Schuhe abgelegt. DieSonne im Abschiede sättigt das Gold und den Marmor des Tempels und den inMarmor gefaßten quadratischen See, aus dem sich der Gläubige ewiges Heilholt. Eine Marmorbrücke mit durchbrochenem Gitterwerk und goldenen ge-triebenen Kandelabern führt zur Mitte des Sees: zum Tempel aus Marmor, Goldund Silber. Verschwenderische Kostbarkeit außen und innen. —Das innere Viereck ein hoher Kuppelraum. In der Mitte unter einem Baldachinauf breitem, fürstlichem Teppich sitzt mit untergeschlagenen Beinen der Hohe-priester, ihm zu Seiten die amtierenden. Vor ihm auf einem Kissen das immergeöffnete Buch der Sikhs. Leise Musik ertönt, und zu ihr in Intervallen singtwechselnd ein Priester Strophen aus der heiligen Schrift. Laienbrüder und-Schwestern umgehen das Innere, werfen beim Austritte Blumen, einzeln undzu kleinen Kränzen aufgereiht, opfernd auf das Ruhekissen des heiligen Buches.Tauben fliegen in Scharen im Tempel umher; vom Scharlach des Teppichspicken sie die ihnen gestreuten alabasterfarbenen Reiskörner. Der Pontifexmit langem, weißen, gepflegten Barte gebietet Achtung durch seine Würde,seine fast weiße Farbe, seinen streng arischen Typus. Ich sehe sanktuareGruppen: hieratisch gedichtete Fresken von Giotto und Angelico.Vor dem marmornen Brückentor, auf marmornem Platze, umgeben von er-höhten Tempelhallen, sitzen viele Frauen in weißen und farbigen Schleierge-wändern, lauschen mit Andacht auf eines Paters Vorlesung aus dem Sanskrit.An der Marmormauer in der scheidenden Sonne erklärt ein anderer Frauenmit edeln, vergeistigten Zügen Verse, die er ihnen aus dem heiligen Buche vor-gesungen. Weiter am Teiche im Schatten eines Baumes singen unermüdlichzwei Knaben Sanskrithymnen. Priester zu Gruppen lesen liturgisch die altehr-würdigen Sanskritzeichen und erklären sie. Einen kleinen Knaben mit in-nozenten wundersamen Augen photographiere ich. Er will fortlaufen, dochwird er von alten Leuten liebevoll festgehalten: und nun stellt er sich kind-lich in Positur. Es ist beglückend.
Ich umwandre den See ganz, gelange durch ein Verbindungsgäßchen in denGarten der Fakire. Sie sitzen und liegen fast nackt, mit Asche beschmiert, auf
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