tere der Landschaft und der mannigfachen Wirkungen haben, die sie in ihrenverschiedenen Zusammensetzungen auf die menschliche Seele ausüben, er soll,wie dieser, eine Fähigkeit haben, gute Verhältnisse wahrzunehmen, die Ge-setze der Perspektive und die Mittel ihrer Darstellung sowohl in Gestalt wiein Farbe kermen, damit er dem Auge vor den einzelnen Teilen Ruhe und Be-friedigung gewähren und die Teile wieder zu einem harmonischen Ganzen zu-sammenschließen könne, er soll ein feines Gefühl für Farben haben, um nachdem ersten Gesetz der Natur Wechsel und Mannigfaltigkeit hervorzurufenund durch die Kontraste vom Heiteren bis zum Finsteren das Gemüt zu beein-flussen; vor allem aber soll er, wie der Maler den Schein der Bewegung und desLebens schafft, wirkliche Bewegung schaffen: durch stürzendes Wasser, durchViehtriften, Gebäude, Ruinen, alles, was die Gegenwart des Menschen ver-muten läßt und besonders durch die ausgiebigste Verwendung der Wellenlinie.Es ist leicht einzusehen, aber es tut heute, wo nach hundertfünfzig Jahren dasfreilich völlig verkommene Ideal des englischen Gartens noch allgemein herr-schend ist, sehr not zu betonen, daß fast alle diese Forderungen ebenso für denKünstler des alten symmetrischen Gartens Geltung haben, das heißt, daß siekein besonderes neues Formprinzip aufstellen, sondern die freilich immer not-wendige Kenntnis der Grundstoffe betonen, nur im Verlangen nach Bewegungdurch das Mittel der Wellenlinie offenbart sich der schärfste Gegensatz zurGrundform des alten, ja des Gartens überhaupt!
Der festbegrenzte, für das Auge meßbare und darum allein künstlerische,schöne Verhältnisse ermöglichende Raum soll auf jeden Fall verflüchtigtwerden. Die regelmäßige runde Linie, der Kreis oder das Oval, die geschlosseneRäume von großer, ruhiger Monumentalität erlauben, wird ebenso wie die ge-rade Linie der Verachtung preisgegeben und die kulissenartig gewundeneWellenlinie, die haltloseste aller Linien, als das höchste Mittel der Schönheit,der „Naturschönheit", dargestellt, die allein imstande sei, den Blick durch dieimmer erneute Aufrollung des Mannigfaltigen zu befriedigen und ihn vor demeinzelnen Bilde, etwa durch einen hügeligen Abschluß, zu beruhigen. In Wahr-heit aber erzeugt die Wellenlinie eine Beunruhigung und ein Sichverlieren!Während im symmetrischen Garten die geschlossene Perspektive dem Beschauerfür seinen Blickpunkt den Raum stets fest zusammenfügt, ihm diesen im Wei-terschreiten in immer neue Räume auflöst, die aber als Teile im sichtbaren Ge-füge eines Ganzen stehen, das uns seine ruhige Beharrung mitteilt, verflüchtigtdie durch Wellenlinien perspektivisch nachgeahmte Landschaft jede festeGrenze: man kann sie von keinem Blickpunkte aus völlig räumlich umfassen,da sie ja illusorisch ist, man verläßt sie, um sie zu umgehen, und fühlt sichhintergangen, wird durch einen neuen Ausblick weitergelockt und wieder ge-täuscht, bis uns zuletzt vielleicht die völlige Wildnis umfängt und uns das froheGefühl durchdringt, wirklich in der Landschaft zu sein und nicht mehr aufder Suche nach künstlichen landschaftlichen Reizen.
Denn hinter dem Garten, dem wirklichen Garten, beginnen deutlich, von ihmgeschieden, Feld und Wald, die sich nach anderen Notwendigkeiten abgrenzen,nach anderen Gestaltungsgesetzen wachsen wie er. Die Landschaft steht imvölligen Gegensatz zu seiner Form, nicht zu seinen stofflichen Elementen,
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