Die Gärten der neueren Zeit fielen mit einigen unwesentlichen nationalen Ab-weichungen unter den Begriff des „französischen Gartens", den man der größ-ten Verachtung preisgab, während der natürliche Geschmack der Engländerals einzig würdig der Nacheiferung gepriesen wurde. Man sah wohl, daß einigeSpielereien des Rokokogartens mehr ein Zeitliches und Zufälliges seien, die denVerfall einer adligen Kultur andeuteten, und die eine neue Gestaltungskraftleicht hätte vernichten können, um den alten großen Grundgedanken desschönen Gartenbaues Entfaltung zu verschaffen, aber da diese Gestaltungs-kraft fehlte, so richtete sich die Kritik geradezu gegen diese Grundgedankenselbst. Einschränkung und Regelmäßigkeit, Ruhe und Symmetrie wurden alsdie herrschenden Gesetze aller Gärten der alten und neuen Zeit erkannt undverdammt. Man konnte der Kunst des Le Nötre, die den Geist Ludwigs desVierzehnten spiegelte und die oft den Eigensinn der Natur mit ungeheuerenKräften und Kosten überwältigte, nicht völlig Pracht und Größe absprechen,aber man erklärte sie für unerträglich und ekelhaft, weil sie der „natürlichen"Pracht und Größe der Briten widerspräche und auf der völlig falschen Vor-stellung beruhe, daß der Garten aus seiner nahen Verbindung mit dem Ge-bäude entwickelt und den Grundsätzen der Baukunst mit unterworfen würde.Daß dieser „Irrtum", weil der Garten ja mit dem Hause ursprünglich als Ein-heit geschaffen wurde, ehemals entstehen und durch die Jahrtausende großerKulturepochen unverändert bestehen konnte, schien nicht verwunderlich,wenn man die Bequemlichkeit des nachahmenden menschlichen Geistes be-trachtete, der die einmal gefundene und leicht zu handhabende Regel der Sym-metrie der Mühe vorzog, welche die Ausbildung eines mit der Natur überein-stimmenden Geschmackes erforderte; aber verwunderlich erschien freilich, daßdas aufgeklärte Jahrhundert so langer Zeit zu der Einsicht bedurfte, daß dieGesetze der Gartenkunst denen der Baukunst völlig entgegengesetzt seien,daß diese es mit der Gestaltung einer Vertikal-, jene es mit der Gestaltungeiner Horizontalfläche zu tun habe, die nicht die leichte Überschau regel-mäßiger Teile und Verhältnisse, sondern eine Verhüllung des Gesamtplanes,eine absichtliche Verwicklung der Anlagen durch Ungleichheiten und regelloseZufälligkeiten erforderte, und daß daher der Gartenkünstler am glücklichstenarbeite, wenn „er überall das Gegenteil von dem tue, was der Baumeister be-obachte".
Man blieb freilich nicht bei diesen reinen Negationen stehen, sondern suchte andie Stelle des verhaßten architektonischen Prinzips der Symmetrie ein andereszu setzen, dessen sich eine „bescheidene" Kunst vor der schönen Natur alleinbedienen dürfe: nämlich das malerische Prinzip. Man fiel also von der behaup-teten künstlichen Abhängigkeit nur in eine andere und gab den Gartenbau,nachdem man ihn aus einem Jahrtausende alten Bunde, in dem sein Ursprungund seine Bedingnisse ruhten, gelöst hatte, in die Knechtschaft der Land-schaftsmalerei, mit der ihn kein lebendiges Band verknüpft noch je verknüpfenkann — was hat ein Gemälde mit einem Garten zu tun! ? Nach der neuen Lehrelag die Einheit darin, daß beide ausgewählte Darstellungen der Natur zu gebenhätten: der Gartenkünstler soll, wie der Landschaftsmaler, einen Reichtum länd-licher Ideen aufspeichern, eine genaue Kenntnis der Gegenstände und Charak-
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