sie fast für die einzigen, eigentlichen Künstler der Nation erklären. Jeden Vor-teil, den Optik und die Regeln der Perspektive ihnen bieten, wissen sie vor-trefflich zu benutzen, ohne doch dabei ins Kleinliche zu fallen.Die Staffage vollendet den Reiz dieser lebendigen, zum Gemälde erhobenenLandschaft. Hunderte von halb zahmen Hirschen und Rehen weiden auf dengrünsten Wiesen der Welt, mit ihnen die schönsten Pferde, Kühe und Ziegen,besonders in der Nähe des Hauses, wo sich die Wiesen rings umher wie einweicher grüner Teppich ausbreiten. Die schönen Gestalten dieser Tiere, ihreleichten, freien Bewegungen und ihr Wohlsein geben dem Ganzen einen unbe-schreiblichen Reiz.
Der Haupteingang zum Park, ein oft sehr prächtiges Tor, hat zu beiden Seitenzwei kleine Gebäude, die Wohnung des Torhüters und seiner Familie, bei welchemsich jeder Einlaß Begehrende vermittels einer Glocke meldet. Dieses Tor mitseinen Gebäuden, the lodge genannt, ist eine Hauptzierde des Parks. Diebeiden Pavillons sind bald in gotischem, bald in ägyptischem Geschmack auf-geführt, sie stellen Türme, griechische Tempel oder auch nur nette Garten-häuschen vor, je nach dem Geschmack des Erbauers. Immer hat der Torhütereine freundliche Wohnung darin mit Küche, Keller und allem, was er bedarf,wohl versehen, und manche angesehene Familie in Deutschland würde zu-frieden sein, einen solchen Sommeraufenthalt zu besitzen.Das Wohnhaus liegt meist auf einer sanften Anhöhe, alle Bäume sind aus seinerNähe verbannt, damit Licht, Luft und Sonne kein Hindernis finden. Dennochist es nicht heiß in den Zimmern, teils weil es überhaupt in England nicht heißist, teils wegen der wenigen Fenster, die aber so verständig angebracht sind, daßjeder Teil des Gebäudes sein hinlängliches Licht hat. (Johanna Schopen-hauer, Reise durch England und Schottland, 1818.)
DER ROMANTISCHE PARK: MUSKAU
1. EINZELSICHTEN
Wir verfolgen die eingeschlagene Fahrstraße und erreichen nach Zurücklegungeiner kurzen Distanz eine uns noch neue Seite des pleasure-ground, an dessenEingang eine bunte Gloriette nach Herrn Geheimen Rat Schinkels Zeichnungvon ihrem Blütenhügel in das Tal hinabschaut. Sie ist nach der Straße zu ge-schlossen, bietet aber, gegen das Innere des Parks gerichtet, vier verschiedeneBogenöffnungen, deren jede ein anderes Gemälde gleichsam in einem Rahmenfaßt. Das erste umfaßt einen weiten Wiesengrund, mit hohen Bäumen grup-piert, die Neiße mit ihren Abhängen in der Mitte und mit Laubholz bedeckte Berge
dahinter, ohne weitere Unterbrechung irgendeines Gebäudes.-------Die dritte
Öffnung zeigt in der Entfernung einer kleinen Viertelstunde das Schloß, freiund scheinbar auf seinem See ruhend, seitwärts einen Teil der Stadt mit derdeutschen Kirche über die Bäume ragend und in weiter Entfernung am Hori-zont das Dorf Lucknitz, an schwarzbewaldete Hügel gelehnt. Die letzte Öff-nung endlich umschließt die alte katholische Kirchenruine des Dorfes Berg, vonzwei hohen Linden schirmend eingefaßt.
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