DIE ENGLISCHEN PARKS
Die Obst- und Gemüsegärten und die Treibhäuser liegen mit allen zur innerenÖkonomie des Hauses gehörigen Gebäuden ganz nahe am herrschaftlichenHause, werden aber durch allerlei Vorkehrungen dem Auge entzogen. DieseBezirke sind es, was der Engländer eigentlich Gärten—gardens—nennt, die abernicht mit zum Park im engeren Sinne gerechnet werden. Auch der Blumen-garten, ebenfalls in der Nähe des Herrenhauses, wird nicht zum Park im enge-ren Sinne gerechnet. Dieser vorzugsweise zur Fußpromenade bestimmte Teil,pleasure-ground genannt, hat am meisten Ähnlichkeit mit unseren deutschenParks; man trifft da geschmackvolle Blumenbeete, Gänge, die sich bald durchdichte Schatten, bald mehr im Freien hinschlängeln, Tempel, Säulen, Denk-mäler, Ruheplätze und den ganzen architektonischen Reichtum der neuerenGartenkunst. Hier blühen und grünen die vielen einheimischen Gesträuche,Bäume und Blumen neben den aus fremden Ländern herübergebrachten, diestark genug sind, den Winter im Freien zu ertragen. Obstbäume sind aus dempleasure-ground verbannt.
Der eigentliche Park umfaßt die zum Wohnhaus oder Schloß gehörigen Lände-reien, zu seinem Bereich gehören Äcker und Wiesen, mit lebendigen Heckenzierlich eingefaßt, durchschnitten von wohlgehaltenen Kieswegen zum Gehenund Fahren, auch einzelne Wirtschaftsgebäude stellen sich hier und da demAuge dar, von gefälliger, aber doch ihre Bestimmung andeutender Form. Derunvergleichlich schöne Rasen, dann die prächtigen Bäume, vornehmlichEichen und Buchen, überall in Gruppen verteilt, bilden eine Hauptzierde derenglischen Parks. Enge, durch dichte Schatten und Gebüsche sich hinschlän-gelnde Gänge findet man in keinem Parke, auch große Gehölze sind, wie über-all in England, selten. Ein mehrere Quadratmeilen großer Wald, wie der inseiner Art einzige von Fontaineblau, ist in ganz England nicht zu finden. Manmöchte sagen, es fehle Schatten, wenn nicht gerade in diesem Lande, wo beisehr milder Luft dennoch die Sonne selten recht heiß und hell scheint, der Schattenentbehrlicher wäre als anderswo. Dagegen darf es an Wasser nie fehlen.Künstliche Wasserfälle kennt man nicht und noch weniger Springbrunnen.Fließt aber ein Fluß oder nur ein Bach in der Nähe einer solchen Besitzung, somuß er, wenn auch mit großen Kosten herbeigeführt, sich in mannigfaltigenKrümmungen hindurchschlängeln. Fehlt es an lebendigem Wasser, so suchtman wenigstens einem stehenden Kanäle den Schein davon zu leihen. Mangibt ihm eine leichte natürliche Krümmung, verdeckt Anfang und Ende mitüberhangendem Gebüsch, wirft schöne Brücken darüber und täuscht so dasAuge, oder man verwandelt die Ufer eines Teiches in die unregelmäßigen Um-gebungen eines kleinen Sees.
Die verständige Weise, mit welcher alle Bäume in Rücksicht auf Höhe, Wuchs,dunklere und hellere Farbe ihres Laubes geordnet sind, gibt dem Ganzen einenZauber, den man fühlt, ohne sich ihn gleich erklären zu können. Alles ist zurschönsten befriedigenden Einheit gebracht. Das Auge wird sogar in Hinsichtder Entfernung eines Gegenstandes auf die angenehmste Art getäuscht. Dieenglischen Gärtner sind wahre Landschaftsmaler im großen, ja, wir möchten
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