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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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dieses Ortes, der seinen Körper lebendig weiterwirkt und sich zuletzt doch alleHände der Menschen und der Zeiten unterwirft.

DER AUSGANGDER FREUND: Ein leiser Wind weht die Blätter auf. Ich scheide ungern vondiesen Bäumen, gern sähe ich noch einmal Deine liebsten, den schlanken ge-heimnisvollen Wachholderbaum, die Birken vor dem Blumenbühel, der mitlilafarbenem Schaum überflockt schien, den silberblättrigen Ahorn, die altenBuchen und alle schönen fremden Nadelhölzer.

ELPENOR: Komm, der König will des Nachts allein sein! Diese Brücke mit demniedrigen Geländer ist noch von Ihm. Wenn Du dich tief bückst, siehst Duim Gitter zwei sich wiederholende Tritonengruppen: Hier ein alter Triton, dereine sich sträubende Nereide hält, dort ein junger Triton und eine junge Nereide,die mit so liebender Neigung ihre Köpfe zueinander biegen, daß der Kuß schonwie ein Seelenhaftes zwischen ihren Mündern schwebt. Die Form der schönenWasserarme siehst Du kaum mehr, der größere, den wir überschreiten, hatseine festgefügten Schweifungen längst verloren und in eine weiche Rundunggezogen, Eichen und Eschen umdrängen ihn, und die Trauerweiden tauchenihr langes Haar in seine Flut.

DER FREUND: Die beiden Nebenarme begleiten noch mit ihren spiegelndenScheinen unseren Weg bis dort zu den freundlichen Gärtnerhäusern.ELPENOR: Am Tage spien auch hier die Mäuler der Steinmasken breite Wasser-fächer aus.

DER FREUND: Zwei liebenswürdige Sphinxe entlassen uns; sie scheinen denkleinen Genien nicht mehr gefährlich, sie lächeln und trauern ein wenig überihr enträtseltes Sein.

ELEPNOR: Hier an der letzten Biege des Weges wende Dich noch einmal umund sieh I Die stolzen Bäume schließen sich mit ihren inneren Ästen zu einemhohen gotischen Bogen zusammen, und unter ihm ruht vor dem reinen Hinter-grunde des Himmels die linde Wölbung der Kuppel von Sanssouci.DER FREUND: Wie schön I Wie königlich und schön.

ELPENOR: Nun laß uns gehen. Dieser letzte Gang von Linden, an dem derMarlygarten und die Villa Liegnitz träumen, ist noch das letzte Schöne. Ichfreue mich an jeder Linde und möchte alle Bäume, alle Sträucher, alle Blumen,alle Früchte des Parkes wie diese kennen, möchte das Land ihres Ursprungswissen, auf welchen Wegen, über welche Völker, mit welchen Mühen sie zuuns kamen, wie unser Himmel ihre Art veränderte und ihnen allen dieserenge Raum zur Heimat wurde, daß nun ein Tausendfältiges, Fremdes wieein Einziges, Vertrautes scheint: So müßte man den Park kennen, wie mansein Kind kennt.

DER FREUND: Und doch bliebe auch dann das Tiefste, das alles zu einer schö-nen Einheit bindet, unerkannt und der Brunnen der Träume . . . Ja, Dein Aus-gang ist groß: Ein fürstliches Spalier von Lindenkronen! Ich liebe diesenGarten, dieses Schloß und diese Stadt.

ELPENOR: Nun freut mich Dein Lob erst ganz. (Friedrich Wolters und Fried-rich Andreae, Arkadische Launen, 1908.)

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