falls in künstlerischen Linien, die Luft durchschneiden, nur laufen durfte esnicht, wie in Wald und Wiese. Denn auch die Gesellschaft saß entweder infeierlichem Cercle in dem Parke oder bewegte sich in zeremoniellem Gangedurch seine Wege, niemals aber lief man durcheinander wie auf der Kirmeß.So ist es denn auch in diesen Nebendingen immer ein großes Gefühl für Stil,Würde und Harmonie, welches den Menschen der Gesellschaft hier mit seinerUmgebung in Verbindung zu bringen wußte.
Neben der offiziellen Zeremonie und dem die Öffentlichkeit suchenden Prunkcharakterisiert das damalige gesellschaftliche Leben auch wieder ein Ver-langen nach jener Heimlichkeit, in der die galanten Abenteuer, die Medisanceund Kabale gediehen. Aber auch zu solchen versteckten Plätzchen baute derBarockgarten keine erlogenen Sennhütten, Einsiedeleien, Schweizerhäuschenund dergleichen, sondern dafür erfand er die nach geometrischem Grundrißangelegten Labyrinthe und Irrgärten, welche die Haschenden jedem Auge ent-zogen, oder bot den Liebenden eine Muschelgrotte dar, in welcher das Ge-träufel des Wassers die kosenden Stimmen verschlang. Wieder waren dasKunstformen und dem Ganzen homogen, völlig dem Zeitgeist entsprechend.Von allen Gesichtspunkten stellt sich der Barockpark also als großes, weisesKunstwerk dar. (Albert Ilg, Leben und Werke Johann Bernhard Fischers vonErlach des Vaters, 1895.)
DER PARK VON SANSSOUCI
DER EINGANG
DER FREUND: Diese Stadt ist schön. Zwar hat sie nichts von den versponnenenWinkeln mittelalterlicher Städte, die ich liebe, von den verträumten kleinenPlätzen und allen Heimlichkeiten, die vom Geiste unserer frühen Väter sprechen:Rose, Lilie und Distel formten hier die Steine nicht. Alles atmet die klare Breitedes neuen Glaubens, der neuen Geburt: Die weiten Plätze sind im Viereck ange-legt, die geraden Straßen kreuzen sich in lotrechten Winkeln, die Flügel derPaläste zeigen unverhüllt die regelmäßigen Figuren ihres Risses.ELPENOR: Du lobst, mein Freund, noch ehe Du liebst. Auch ist Dein Bild nurim großen wahr. Erinnere Dich, daß wir erfreut vor den gewundenen Profilenzweier Türme standen, und daß das bogenförmig ausgeschwungene Portal desStadtschlosses Dich entzückte. Nun schlag Dein Auge weiter auf: Sieh dort denGlockenturm und die Friedenskirche. —
DER FREUND: Die Nachahmung einer römischen Basilika. .ELPENOR: Einer frühchristlichen Basilika! Es war ein anderer Geist, der soviele Zeiten übergriff, um seine Träume zu erfüllen; der dicht umwachseneTeich, der den Glockenturm und die Kirche spiegelt, sagt Dir noch mehr vonder Form seiner Sehnsucht.
DER FREUND: Du bist liebenswürdig über mein Verstehen. Ich laß mich gernan die Barocktürme und das Portal des Rokoko erinnern: Denn ich liebe denGedanken, daß der verwegene Bruch der geraden Linien, den diese Zeiten strengvollzogen, die spielende Bewegtheit ihrer Lichter und Schatten, die unerhörtekörperschaffende Vielfältigkeit ihrer gekrümmten Ebenen und Flächen ein
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