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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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kunst fand in solchem Vorgange, für welchen sie übrigens schon im antikenGarten ein Paradigma besaß, keineswegs etwasUnnatürliches", wie heutedarin noch vielfach gesehen wird. Die Natur ist der alten Zeit immer nurMaterial, aus welchem Menschenwerk entstehen kann, und ebenso wie ausStein und Holz, vermeinte sie auch aus Busch und Baumkrone Kunstformenbilden zu dürfen. Sie hat auch recht. Denn im Berge, im natürlichen Fels,steckt ein Gesims, eine Säule, ein Palast, eine Bildhauerarbeit ebensowenigoder ebensoviel, als im dichten Busch und Baum, auch dort vergewaltigt derMenschengeist erst die fremde Natur, die mit derlei a priori gar nichts zu tun hat,und drückt ihrem Stoffe sein Merkmal auf, warum nicht hier desgleichen?Daß Stein und Holz starre, Laub und Zweige aber bewegliche Massen seien,ist ein Gegengrund, der im Geiste moderner Stiltheoretik sehr in die Wagschalefallen mag, für die leichter bewegliche Phantasie einer üppigen, schöpferischenEpoche aber wohl von keinem Belang gewesen sein dürfte.Der Renaissance- und Barockgarten stellt sich somit als kräftigster Gegensatzdes modern-englischen dar. Ihm ist die Natur der Modellierton, aus dem er einKunstwerk schafft, ein Gebilde, das mit jedem Detail verkündigt:DerMensch hat mich geschaffen, ich diene seinen Bedürfnissen, seinen Lebens-gewohnheiten, der Stempel seines Geistes und seiner Hand ist mir aufgedrückt."Der Englische Garten ist eine Lüge, eine Halbheit er vielmehr verdient dieBezeichnung des Unnatürlichen, denn er ist nicht reine, auch nicht künstle-risch gestaltete, sondern nur halb und halb frisierte Natur. Er will uns beidem Schlosse die Wildnis, den Forst, die Alpentrift, die Dorfidylle vorlügenwohin das alles nicht paßt aber er ist bei solcherNatürlichkeit" doch wohlabgezirkelt, berechnet, raffiniert ersonnen, mit zierlichen Kieswegen undsonstigen Vorkehrungen wohl eingerichtet, damit die vornehme Gesellschaftin dem sein sollenden Urwalde mit dem Kleide in keine Dornenhecke gerätoder auf der Waldwiese nicht in eine feuchte Stelle mit den Lackstiefelchenkomme. Das ist also alles Heuchelei und echteste Unnatur! Der Barockgartensagt gleich ehrlich: Ich tauge nicht für Bauernstiefel aber er wird dem sei-denen Schuh der Dame und des Pagen auch gerecht.Zu all dem Gesagten kommt ferner noch eine Eigenschaft, welche den Barockin erster Hinsicht auszeichnet: ihr vornehmer Sinn, ihre Prachtliebe, ihre Lustan Repräsentation. Diese Neigungen konnten sich nicht in gewundenen, ge-schlossenen schattigen Waldwegen verstecken, Tälerchen durchkriechen undüber Hügelchen klettern. Sie brauchten ein weites, offenes, sonniges Terrain,wo auf großen Plätzen, breiten Wegen, stolzen Avenuen der ganze Cortegesich pomphaft entwickeln konnte und dieser glänzenden Staffage der fürst-liche Palast immer einen bedeutungsvollen Hintergrund verlieh. Namentlichliebte man eine sanftgeneigte, schiefe Ebene, welche einerseits das Gebäude amoberen Ende das Ganze um so mächtiger beherrschen ließ, und auf der fernerdas langsam würdevolle Herabschreiten des vornehmen Zuges eine feierlicheBewegung bewerkstelligte.

Das Wasser hatte dabei entweder die Aufgabe, ebenfalls als große Fläche inTeichen zu wirken und so als Spiegel die Architektur der Bauten sowie derGartenanlagen neuerdings zum Eindrucke zu bringen, oder es mußte, gleich-

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